216 Giöri geht für den obern Bund noch Mailand.
auf Waffenstillstand und Rückerstattung des Veltlins zu dringen. Esgehörte dieß auch zu den Kunstgriffen der Spanier, einerseits hiednrchdie Unterhandlungen des französischen Gesandten zu unterbrechen,anderseits die Bündner als Bittende hinzustellen. Guefster nahm dieSache sehr übel auf, denn er hatte es sich in den Kopf gesezt, daß dieBündner ohne seinen Rath gar nichts thun würden. Nach drei Wochenkehrte Giöri mit Pompejus Planta, Fabius v. Prevost und JohannLeo (diese waren ohne Vorwissen Baldirons vom Münsterthal ausnach Mailand gegangen und unterwegs 14 Tage lang zu Tirauo auf-gehalten worden, daher die Verzögerung) nach Jlanz zurück und hattein der That den Waffenstillstand für den obern BunL'und auch für diebeiden andern, falls sie darum einkommen würden, ausgewirkt. Ferner-trug er einen Brief vom Herzog von Feria bei sich, in welchem Lieserversicherte, daß er lediglich zum Schuze der katholischen Religion denVeltlinern Hülfe geleistet hätte. Wen» also die Kezerei im Veltlinausgerottet und dessen Bewohnern, die ja Alles nur im Religions-eifer gethan, Verzeihen und Vergessen alles Geschehene» zugesagtwerde, sei die Sache nicht schwer beizulegen. Darauf schrieben dieBoten des ober» Bundes als Antwort zurück: auch die beiden andernBünde wünschten an dem abgeschlossenen Waffenstillstand Theil zunehmen (was auch in der That seine Richtigkeit hatte, wenn jene auchselbst es nicht schreiben wollten); dann dankten sie dem Herzog sürGivri's freundliche Aufnahme und gaben zu verstehen, sie seien bereit,die Abgesandten, welche von Giöri nach des Herzogs Wunsch verlangtworden seien, zu den weiteren Unterhandlungen nach Mailand zusenden
Inzwischen traten zu Jlanz täglich die Boten aus dem obern undGottshausbunde (schon damals hatten die spanisch Gesinnten sich vondenjenigen der zehn Gerichte abgesondert) zusammen. Dazu aberwurden die Unterengadiner und Münsterthaler, welche dort ebenfallsdurch Abgeordnete vertreten waren, nicht zugelassen. Den schon auf-gesezten Artikeln wurden noch neue hinzugefügt und dabei Gueffier zuRath gezogen. Dieser verlangte auch die Aufnahme eines neuen Artikels,zu Folge welchem dem Bischof und Capitel zu Cur alle alten, ange-sprochenen Rechte zuerkannt, die Geistlichen dem bürgerlichen Gerichts-stände entzogen und überdieß ihnen allein die Entscheidung in Ehe-sachen anheimgestellt wurde. Zu diesem noch Anderes, was er bezüglichder Einkünfte der katholischen Geistlichen wünschte. Die Boten ver-