Gesandtschaft nach Innsbruck im Mai 162 t. 257
zum Mahle gezogen und so lange wir uns zu Innsbruck aufhielten, 1621.blieb Maximilian Mohr, welcher damals bereits Rath am Hofe daselbstwar, auf seine Anordnung uns stets zur Seite. Alle unsere Ausgabentrug der Erzherzog. Am nämlichen Tage, an welchem wir den Vortritterhielten, langte von Seiten Erhards v. Bcion ein Brief vom 13. Maian, den er uns zum Durchlesen durch seinen Sekretär Doetor Willireichen ließ. Es erzählte Brion in demselben, daß, als er etwas Fuß-volk (das Pfanzelter'sche) mit einem Theil seiner Reiterei nach demSchlosse Guttenberg begleitete und im Dorfe Balzers den PferdenHaber geben ließ, Bündner und Eidgenossen ihre Grenzen über-schritten und die Cavalleriebesazung vertrieben hätten. Er sei mit denDeinigen herbeigeeilt, um nachzusehen, was es gäbe und hätte ver-schiedene durch Schüsse verwundete Pferde vorgefunden. Nach gepflo-genem Rathe mit Pfanzelter und Ulrich v. Ramschwag, Castellan aufGuttenberg, hätte er, um den Uebermuth der Bündner zu züchtigen,sie mit all den Deinigen plözlich angegriffen, einige Mann getödet unddie ersten Schanzen überstiegen, — dann aber sei er nach Vaduz heim-gekehrt.
Der Erzherzog machte uns nun durch seinen Sekretär auf denWiderspruch aufmerksam, zwischen dem was unsere Truppen thatenund den Worten, die wir heute noch geäußert hätten. Da wir abervon dem ganzen Handel nichts Näheres wußten, als was wir in jenemAugenblicke eben darüber erfahren hatten, baten wir für einstweilenweitere Feindseligkeiten einzustellen und sandten einen unserer Dienermit dem schriftlichen Bericht über die Sache nach Cur.
Einige Tage später stellte man uns zu Innsbruck eine schriftlicheAntwort auf unser Ansuchen zu. Sie lautete dahin, es hätten dieBündner das Schloß Räzüns besezt und geplündert, das Kloster Cur-walden entweiht und den Abt fortgejagt; ferner im Jahre 1593 dieösterreichischen Kommissare auf dem Berge Rosenna gemißhandelt;dann den Landammanü Stephan Claus Christli, einen Engadiner,auf österreichischem Gebiet gefangen genommen, den Pompejus Plantaneulich auf schändliche Weise umgebracht, und die Engadiner leztlichden Berg Zanders auf unrechtmäßige Weise besezt, — und bis nichtüber alle diese Punkte dem Erzherzog volle Genugthuung geleistetworden jei, könne derselbe keinem unserer Begehren entsprechen.
Während der Herzog auf dem Vogelfänge war, begaben wir unszu Conrad, Freiberrn v. Bemmelberg, Direktor des Raths, Carl
13