Jul. Cäsar Cicer im Austrage des Herz. von Feria nach Cu r. 283
Nuntius Sarego Schreiber, unter dem Titel „das weinende Veltlin" 1621.herausgegeben worden war. In dieser Schrift strömte der Verfasservon Lügen und Verläumdungen über und bat leztlich unter Anderindie Fürsten, das Veltlin lieber in die Gewalt der Türken als derBündner zu liefern.
Am 20. August kam Julius Cäsar Cicer, der früher erwähnieMailänder Kaufmann, nachdem er unter dem Verwände eines gewissenRechtsgeschäftes freie» Paß erhalten hatte, im Auftrag des Herzog«von Feria nach Cur und erhielt einen Vortritt vor dem Bundstage.
Hier sagte er, es hätte der Herzog von Feria bei seiner Abreise ihmaufgetragen, wenn die Bündner Boten nach Mailand senden wollten,so könnte man sich, immerhin aber unter Ausschluß der evangelische»Religion aus dem Veltlin, gar leicht über dessen Zurückerstattungeinigen. Gleichzeitig fragte er, warum die Bündner dem Gesandte»Guefficr, welcher seine Versprechungen weder halten wolle, »och könne,so großen Glauben schenkten. Es sei hinreichend bekannt, daß derKönig von Frankreich im eigenen Hause mit denen von Montaudan,la Rochelle und Andern vollauf beschäftigt sei und daß, wenn es zumKriege komme, die Bünde von einer gänzlichen Ueberschwemmung durchden Feind, dem sie keinerlei Festungen entgegenzusezeu hätten, be-droht sein würden. Durch diese Worte fand sich der französische Ge-sandte höchlich beleidigt und verlangte vom Bundstagc, daß Cicer seineWorte schriftlich gebe. Er that es auch sofort, was den Ander» mehrund mehr erboste; da Cicer aber mit einem öffentliche» Geleitstriefversehen war, durfte ihm Niemand ein Haar krümmen. Leztlich be-merkte Cicer noch, der Herzog von Feria beklage sich, daß einige Sol-daten der Clävner Besazung einen Streifzug in die Berge des Comer-seees gemacht hätten. Diese Sache verhielt sich nun folgendermaßen.
Zur Besazung von Cläven waren bestimmt Hauptmann ChristianJeder de Casutt, Nicolaus Schenni, Bapt. v. Salis, Jacob Ruinella,
Paul Buvl, Sohn Salomons und Ulysses v. Salis. Es sollte die-selbe aus sechshundert Mann bestehen, doch war die Zahl bereits aufzweihundert zusammengeschmolzen. Die spanische Besazung zu Rivaihrerseits quälte inzwischen tagtäglich die Bauern der Grafschaft Cläven.
Ohne Wissen der bündnerischen Hauptleute, welche abwesend waren,brachen in Folge dessen einige muthwillige Soldaten, deren Führerein Locarner mit dem Beinamen Krummmaul und Ulrich Maag vonNeukirch im Schaffhauser Gebiet waren, im Monat August über den