Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
340
JPEG-Download
 

340

Die Prättigauer vor Maienfeld.

1622. Gulden gegeben hotten, in die Grafschaft Tirol, wo er i» der Nähevo» Meran bis zum Monat November verblieb nnd dann mit aus-gedehnten Vollmachten von Seite des Erzherzogs in das Unterengadinzurückkehrte. Baldiron schmeichelte den Curwaldern, damit sie ruhigblieben, mit höflichen Worten und machte ihnen sogar Hoffnung aufReligionsfreiheit nnd Bestätigung der alten Privilegien.

5. Ap. Einige Malanser ordneten am 25. April den Landvogt Johannv. Porta zu Baldiron nach Cnr ab, mit der Erklärung, es sei dieHerrschaft Maienfeld an dem, was die Prättigauer gethan, ganz un-schuldig und wenn Etliche mit ihnen gehalten hätten, so wären sie dazugezwungen worden. In seinem Zorne gegen die Prättigauer sagteBaldiron, er werde die Bewohner der Herrschaft Maienfeld für Feindedes Hauses Oesterreich halten, wenn sie sich von Jenen nicht sofortlossagten.

Die Davoser oder richtiger einige einflußreichere Glieder ihrerObrigkeit, welche den Aufstand der Prättigauer gemißbilligt hatten,schickten gleichermaßen Heinrich v. Porta, Bruder Johanns, nach Curzu Baldiron und entschuldigten sich, Laß Einige von ihnen, gegenGeheiß der Obrigkeit, sich an die Prättigauer angeschlossen hätten;wen» nur die Religionsfreiheit und die alten Privilegien ihnen un-verkümmert blieben, so gedächten sie nichts zu unternehmen. Wie erden Curwalder geschmeichelt, so streichelte er auch diese, wollte jedochnichts Schriftliches von sich geben.

Endlich wagien es auch einige Schanfigger, mit Entschuldigungdesjenigen, was Caspar Calvo begegnet, bei Baldiron vorzutreten.

Somit suhlten die Prättigauer, mit jenen wenigen Davosern,einigen Schanfigger» und Bewohnern der Herrschaft Maienfeld sammtetwelchen aus den vier Dörfern die ganze Last des Krieges auf sich ruhen.Große Hoffnung hatte ihnen das von Thüring Enderlin geworbeneVolk erweckt, das dem Gerüchte »ach tausend Mann stark am Scholl-bcrge stehen sollte, aber es waren zulezt nur fünfzig Mann. Enderlinsollte in jener Freitagsnacht die Stadt Maienfeld überrumpeln; nach-dem aber Baldiron mit heiler Haut das Prättigau verlassen, warnteihn ein Freund, durch ein paar Zeilen, ja nichts zu versuchen, da garkein Erfolg zu hoffen sei. Diese» Zettel singen die Oeflerreicher ander Nheinfähre beim Schlosse Guttenberg auf, vermochten zwar ausden dunkeln Worten keinen Sinn herauszufinden, — wurden aberimmerhin wachsamer. Am Sonntag, den 24. April, wurde Enderlins