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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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Tagsazung zu Baden.

1628. zu behaupten gewagt, dieselben seien ihm vom Papste zu Theil gewor-den. wie er sich dann auch rühmte, er hätte die Vollmacht kirchlicheBenefizien und Jahrgelder zu vergeben.

Es wurden ihm sechzig Tage als Frist zu erscheinen eingeräumt.Dann kam, versehen mit einem Schreiben der Congregation der kirch-lichen Gerichtsbarkeit 20 zu Rom, der Kapuziner Pater Jgnatius in'sBcltliu und mahnte die Bewohner den Proceß zu suspendiren, da derältere Schenardi die Weihen bereits empfangen hätte.

Anf der Tagsazung zu Baden hatte im verflossenen Monat Julider Dollmetsch des Königs von Frankreich die Durchpaßbewilligungfür etwas französisches Volk in Diensten des Herzogs von Mantua(es war vom Regiment des Marquis von Prale die Rede) verlangt.Auf dieses hin schrieb unter dem 29. Juli Gonsalvo de Cordova anden Marchese d'Ogliani, spanischen Gesandten bei den Eidgenossen,er möchle bei diesen es dahin bringen, daß sie diesen Truppen denPaß gegen den römischen Kaiser abschlößen, für den andern Fallaber fügte er einige Drohungen hinzu. Am 18. August erschiend'Ogliani zu Luzern, wo die katholischen Orte tagten und hielt eineheftige Rede. Wen» sie so etwas zugäben, sagte er, könne es geschehen,daß sie den Krieg in ihr eigenes Land zögen, oder wenn dieß auch derFall nicht wäre, daß die Kaiserlichen den St. Luziensteig und dieRheinbrücke besezten und die Eidgenossen auf diese Weise genöthigtwären, die in ihrem Lande 2' eingeschlossene» Franzosen zu behalten.

Montags den 7. August langte der Oberst Anton v. Molina ausFrankreich in Cur an, weßhalb der Bundstag sofort versammelt wurde.Freitags den 18. des nämlichen Monats dann gab Oberst Molinaweitläufigen Rapport über seine Gesandtschaft, wie er denn auch bereitsvorher den bündnerischen Staatsrath von allem fleißig unterrichtethatte. Er berichtete von dem besten Willen und der väterlichen Sorgeund Zuneigung des Königs für die Bündner, seine Bundsgenossen,und wie er, der Gesandte, neben Degen und Gürtel, die er schon eineZeit lang trug, nuu auch mit dem Ritterschläge und der goldenen Kettebeehrt worden sei. Er sagte, Ihre Majestät hätte Ihre WillensmeinungIhrem Gesandten in den Bünden zu wissen gethan und übergab zwei

20 duriseliolioms occlesiaslione. Original.

2> Nämlich in den Bünden, wenn neben den von den Spaniern be-reits sezten Pässen der Südseite auch der Ausgang am St. Lnziensteigenud der Rheiubrücke noch abgesperrt sein würde.