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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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Erneuerung der Erbeinigung.

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i später hierauf die meisten Gemeinden, wie männiglich wohlbekannt, 1629.hätten alle drei Bünde im Allgemeinen einen unglaublichen Schadenerlitten und Niemand sei da, der den Andern zu entschädigen gedenke.

Mittwochs begann man schriftlich zu verhandeln; Lintner wieder-holte in aller Breite alles Vorgebrachte und führte die von Oester-reich angesprochenen Rechtsame näher aus. Hierauf antworteten dieBündner einfach und bescheiden: Durch den Lindauer Vertrag ge-trennt, seien die drei Bünde wieder vereinigt und verlangten es auchfür die Zukunft zu bleiben. Ihr, der Gesandten, Auftrag bezweckej lediglich die Erneuerung der Erbeinigung.

- Man kam nun auf die einzelnen Artikel des Lindauer Vertrags zu

sprechen und verhandelte zuerst über die Wiederherstellung und Jncor-Poration der acht Gerichte und des Unterengadins. ^ Hiezu schienendie Oesterreicher aus Gefälligkeit beistimmen zu wollen; ebenso zu' dem französischen und eidgenössischen Bündnisse. Die Erbeinigung1° wollten sie auf die Grafschaft Tirol und die vier Herrschaften diesseits

^ des Arlbergcs am Bodensee beschränken und fügten sie hinzu, daß, wo

von Offenhaltnng der Straße und freiem Verkehr die Rede sei, solchesauch von Truppendurchpaß und Kriegszufuhr zur Vertheidigung zugelten habe. Die zweihundert Gulden, welche dem Zehngerichten-bunde zukämen, ^ wollten sie an die beiden andern Bünde entrichten,welche dann von sich aus Jenem deren Betrag einhändigen könnten,indem sie nicht den Schein haben möchten, als würden ihre eigenenUnterthanen von ihnen bezahlt.

Dann trat man auf die friedliche Ausgleichung der kirchlichenPrätensionen ein. Hier drängte der Freiherr v. Bemmelberg auf Er-füllung des Glurnser Tractats von 1534, die Rückgabe der Collaturzu Jenaz ^ und des Klosters St. Jacob im Prättigau. Nun versprachRudolf Plant«, der ebenfalls dahin berufen worden, die Religions-'sache im Unterengadin zu ordnen. Die Katholiken zu Zernez erklärtenmit der kleinern Kirche sich begnügen zu wollen.

Es forderten übrigens die Oesterreicher die Appellation in demSinne, daß wenn ein auswärtiger Oesterreicher mit einem Unterthan

^ Nämlich die zu Lindau ausgesprochene Lostreunung derselbe» vonden drei Bünden wieder aufzuheben.

3 Gemäß der alten Erbeinigung sollte nämlich jeder Bund zweihundertGulden jährlich erhalten.

i Lebmann hat Zernez, obfchon mein Autograph deutlich Jenaz zeigt.