Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
78
JPEG-Download
 

78 Schreiben des Erzherzogs Leopold an die Eidgenossen.

1 6.'t2. Nicht weniger wurden Rohan, Lands und die Bünduer selbst davonin Kenntniß gesezt, mit der Zusage schleuniger Hülfe, wenn irgendJemand sie an der Vertheidigung ihres Gebietes zu hindern suchensollte.

Das Begehren um die viertausend Mann wurde ad referendumgenommen. Die Evangelischen schienen zwar geneigt, doch wurde dieAntwort durch die Katholiken verschoben. Seitens der Bündner wur-den die Wallisser schriftlich um zweitausend Mann, auf Grund ihresbestehenden gegenseitigen Bündnisses angegangen.

Das Schreiben der Eidgenosse» wurde von dem ErzherzogLeopold am 1. März von Innsbruck aus beantwortet. Die Bündner,hieß es in seiner Erwiederung, wendeten ganz ohne Grund vor, daßdie Gefahr von ihm her drohe und daß seine ganz geringen kriege-rischen Vorbereitungen ihrethalben stattfänden, während gegentheilsdas Gerücht gehe, daß die Bündner, auf fremde Truppen und Hülfevertrauend, das Gebiet des Erzherzogs anzugreifen gedächten. Eshätten dieselben die Eidgenossen hierüber falsch berichtet, um auch siegegen den Erzherzog und das Haus Oesterreich anfzuhezen und ihrefeindseligen Absichten inzwischen bequemer ausführen zu können. Viel-leicht sei auch ihr Gewissen nicht rein, da sie der auf ihr eigenes An-suchen im Jahre 1629 erneuerten Erbeinigung in vielen Stücken zu-wider gehandelt und die erzherzoglichen Rechte und jurisdictionellenBefugnisse, deren Docnmente die Eidgenossen zu Lindau im Jahre1622 eingesehen, ohne Aufhören verlezt und dadurch freilich zu allerleiMaßregeln Veranlassung gegeben hätten. Doch lasse er dieß Alleseinstweilen ruhen und wolle, bis er nicht weiter von ihnen gereizt unddurch die Nothwendigkeit dazu getrieben werde, nichts gegen sie unter-nehmen; überzeugt im klebrigen, daß wenn den Eidgenossen Seitensder Bündner etwas der Art widerführe, wie es ihm gegenüber derFall sei, sie es strenger geahndet haben würden, als er es bis jeztgethan. Unter solche» Umständen hoffe er von den Eidgenossen nichtnur keine Unterstüzung der Bündner, sondern gegentheils eine Ver-mahnung zu dem, was sie den, Erzherzog gegenüber zu leisten schuldigseien.

Von diesem Schreiben wurde Seitens der Eidgenossen den Bünd-nern eine Abschrift übersandt, worauf Leztere Freitags den 2. Aprildieselbe gebührend verdankten. Die ausgesprochenen Verläumdunge»,hieß es weiter in der Antwort, beträfen nicht sie allein und zielten