156 Schreiben Albernozzi's, Statthalters zu Mailand.
NH!5. Hierauf antwortete Albernozzi weitläufig am 30. Juli und hobihren Eifer in Unterstüzung der katholische» Religion und Herstellungdes Friedens lobend hervor. Da er jedoch, für das Schreiben fort,Grund habe anzunehmen, daß die andere Parthei ihnen die Sacheaus einem falschen Gesichtspunkte gezeigt hätte, müsse er sie hierüberdahin belehren, daß die Franzosen und andere Feinde des katholischenKönigs und des durchlauchtigsten Hauses Oesterreich die Erstattungdes Veltlins an die Bündner nur als Vorwand benuzten, um ihrelang gehegten Pläne bezüglich einer Eroberung des HerzogthumsMailand leichter auszuführen. Es sei ferner allermänniglich wohl be-kannt, daß die beiden Kronen durch den Tractat zu Monsonio denBündnern in Ansehung des Veltlins jede schuldige Genugthuung ge-leistet hätten, jedoch gleichzeitig auch dafür gesorgt, daß die katholischeReligion in diesen Gegenden beschüzt und deren Bewohner durch dieBünde nicht mehr tirannisirt würden. Sowohl die Veltliner als Ihrekatholische Majestät hätten diesen Tractat in allen Theilen gewissen-haft gehalten, während die Franzosen ihn in der lezten Zeit entgegenden Versprechungen des allerchristlichsten Königs vielfach vertezten undwährend mehrerer Jahre ihre Waffen zum größten Aergerniß, derUnterdrückung der katholischen Religion liehen. Beweis dessen wäredie Hülfe den Protestanten in Deutschland und die Unruhen, welchedermalen noch zum Zweck der Bewältigung der Katholiken und Aus-rottung ihrer Geistlichkeit, von ihnen in den Niederlanden angestiftetwürden.
Um aber zum Veltlin zurückzukehren, sei solches, wie auch diebeide» Grafschaften Worms und Clären im Vertrage ausdrücklich mit-begriffen, aber durch Herrn du Lands und später durch den Herzogvon Rohan zu einer Zeit, wo sich deren Bewohner unter dem Schuzebeider Kronen sicher wähnten und an keine Vertheidigung dachten,mit gewaffneter Hand besezt worden. Vollständig in der Gewalt derFranzosen, welche, beinahe als wahre Herren davon, alle Herrschafts-rechte Namens der Krone Frankreich übten, — müßten die Bewohnerdenselben alles und jedes zu deren Unterbalt Nothwendige liefern.
Die Schuld und Ursache dieses Krieges hätten seit langer ZeitDiejenigen auf dem Gewissen, welche Spanien von sich aus übelwollten, oder um sich bei den Franzosen beliebt zu machen, als feineFeinde sich erklärten. Aber die Waffen Ihrer katholischen Majestäthätten einzig den Zweck die katholische Religion zu erhalten und den