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Zusammenkunft bündnerischcr Boten
>M6. Comersee lagerte. Montags den 2. Mai zog die Armee nach Zntrobbio,einem Orte in Val Sassina und drei Stunden von Lecco entfernt undDienstags brach Rohan in aller Frühe auf, um die Stadt Lecco selbstund die Brücke zu recognvöciren. Er nahm die gcsammte Reiterei unktausend Musquetiere mit sich, machte zweitausend Schritte vor derStadt auf einer Anhöhe Halt, um ei» Frühmahl zu nekme», Leequeswurde inzwischen mit hundert Musketieren bis auf'die Entfernungvon zweihundert Schritten von der Stadt gesandt. In der Vorstadttraf man einige Priester, welche in Uebereinstimmung mit einem Ge-fangenen aussagten, daß Serbelloni Tags vorher zu Lecco angelangtsei. Außerhalb der Stadt ließ sich übrigens Niemand blicke».
Das Heer kehrte dann an dem nämlichen Tage nach Introbbiozurück. Rohan hatte sich vorgenommen, die Erbauung eines Thurmeszwischen der Beste Fuentes und deni See zu hindern, weßhalb er amfolgenden Tage Leeques mit einigen Reitern und hundert Musketierennach Lecco sandte, um Serbelloni zum beschäftigen, doch trafen sieNiemanden als einige Wachen, welchen sie drei Mann todeten. In-zwischen sollte Frezelivre mit vier Regimentern durch Val Sassinanach Val Bitto um den Thurm zu zerstören; als er aber bei Tag denOrt besichtigte, gewann er die Ueberzeugung, daß derselbe ohne grobesGeschüz gar nicht genommen werden konnte. So kehrte denn Donner-stags, den 5. Juni, der Herzog von Roba» durch Val Sassina und ValBitto nach Trahona zurück, nachdem er auf diesem Zuge ungefährzwanzig Mann verloren hatte, welche entweder von den Schiffen auserschossen worden waren oder ermattet zurückblieben und umkamen.
Gleichwie der Graf Serbelloni durch Hieronvmo Corte im Misorer-thale (auch Hauptmann Joh. Corai war unter dem Vorwande eineszu Bellinzona beizulegenden Anstandes zu diesem Zwecke in die Thal-schaft gekommen, obschon er eine bündnerische Compagnie in franzö-sischem Dienste commandirte) die Bündner zu einem Bündniß mitSpanien drängte, — so berieth sich auch der spanische Gesandte zuInnsbruck Don Federigo Henriquez mit Joh. Victor Travers, Land-vogt zu Castels, und dessen Vertrauten, über die Vertreibung derFranzosen, wobei man die Untersuchung der erzherzoglichen Rechte undAnsprüche zum Vorwande nahm. Zu diesem Ende kam Donnerstagsden 5. Juni Wilbelm Bienner, Kanzler im Tirol, nach Feldkirch, vonwo aus er einen Geleitsbrief der Erzherzogin Claudia an Traversübersandte. Lezterer erbat sich die Erlaubniß der Häupter (sie standen