Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
209
JPEG-Download
 

Obersten Georg Jemitsch.

209

bestünden aus keinen dreibundert Mann und die meisten Hauptlcnte ^6hegten üble Gesinnungen gegen Frankreich, weßbalb es das Beste sei,sie zu entlassen, Rohan wende bei den einflußreicheren Obersten und

wissend, daß, wenn eS nicht gute Worte gebe, sie sich sofort i» die ArmeFrankreichs werfen würden, wobei dann noch außer der Nnterstüznngdesselben, welche angerufen, aus Slaatsklugheik schon niemals ausbliebe,anch die Erhebung der ganzen Eidgenossenschaft und selbst der RepublikVenedig zu gewärtigen wäre. Ileberhaupt sei es gut, daß die drei Bündeeinmal dem Kaiser »nd dem Könige von Spanien gezeigt hätten, wiesehr sie durch die Verbindung mit Frankreich ihre Pläne zu durchkreuzenim Stande wären, doch sei es demunerachtet Zeit sich die Vortheile zusichern, welche sie i»i lezte» Jahre wohl mehr durch die Tüchtigkeit desHerzogs von Nohan als die französische Hülfe sich errungen hätte». Diegünstige Gelegenheit zur Nnhe zu kommen, deren das arme Volk seitlanger Zeit so sehr bedürfe, müsse man jczt ergreifen und nicht längeraufschieben. Den» anf den allgemeinen Frieden warten, sei sich in dennämlichen Stand versezen, wie zur Zeit des Traetats z» Monsonio, »nder sei überzeugt, daß die beiden Mächte sich dann verständigen würden,obne um unser Jnieresse sich zu kümmern. Dann dürfte» wir von denSpaniern durchaus nichts mehr ermatte», weil sie uns nicht mehr brauchtenund wie die Aerzte diejenige Zeit, wo der Kranke die meisten Schmerzenfühlt, für die günstigste halten, um zu ihrer Bezahlung zu kommen,ebenso müßte» die Bündner mit dem Hause Oesterreich sich verständigen,wäbrend dasselbe ihrer bedürfe.

Solche und ihnen ähnliche Rede» führte, dieselben je »ach der Nei-gung und dem Interesse das Jeder haben mochte, mildernd oder steigerndGeorg Jenatsch. Die Oberste» und Hanptlente erinnerte er an ihre»ausstehenden Sold und ihre Armuth »nd verglich sie mit den Summen,welche Schanenstein, Salis »nd Brügger täglich von ihren Compagnienin Frankreich bezögen. Diese seien die Fürsten in den Bünden, dieAndern nur ihre Knechte. Auch in Frankreich stelle man sich vor, diesedrei Familien wären der Adel des Landes und die übrigen nur derenWerkzeuge. Würde sich aber das Blatt wenden, so hätten diejenigen,welche an die spanische Parthei sich anschlössen, keine geringere Beloh-nung zu erwarten als die französischen Anhänger.

Den Geistlichen sübrte er zu Gemüth, wie es unmöglich gewesen sei,von Seiten Frankreichs die freie Uebung der evangelischen Consessionim Veltlin zu erlangen, nicht einmal eine kleine Kirche in der Graf-schaft Cläven, ja selbst nicht einmal einen Gottesacker daselbst. Ebenweit der König von Frankreich an verschiedenen Orte» sich genöthigtgesehen habe, die Protestanten zu unierstüzen, gebe er jezk, um die Sachezn Nom einigermaßen wieder gut zu machen, die armen Bündner preisund spiele auf ihre Kosten den eifrigen Katholiken. In dieser Hinsichtaber würden die Spanier traetabler sein und wen» die Bündner auch