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Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
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Ausschreibe» -er Häupter

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-es Velllins aufzubrechen und den Npricapaß zu besezen. Die Spanier 1637.nahmen es in diesem Falle über sich, durch die Bewohner der LalSassina, die Straße, welche über den Morbegner Berg nach Albaredoführt unwegsam zu machen und dadurch den Franzosen jegliche Zufuhrvon Proviant und Munition abzuschneiden.^ Im andern Falle,wenn nämlich der Herzog an diesem Donnerstage, den 19. März, inCnr sich befände, hatte man beschlossen, ihn daselbst zu bewachen undhierauf zu nöthigen, die französischen Truppen aus den Bünden weg-zuführen.

Die Häupter und bündnerischen Rätke erließen unterm 18. Märzein Ausschreiben an sämmtliche bündnerischen Gemeinden, in welchemsie dieselben unter Hinweisung darauf, wie übel die Franzosen ihrenVersprechungen nachgekommen seien, zur Ergreifung der Waffen undBesezung der Rheinschanze aufforderten, zugleich auch dasjenige mittheil-ten, was mit dem Kaiser, dem katholischen König und der Erzherzogin

Ueber die Lage des französische» Heeres im Vclilin und den Bei-stand, den dasselbe seinem zu Cnr bedrängten Feldherrn wohl hätte leiste»können, enthalten die Mem. 363 Folgendes:

Die Nachricht, daß die Bündner ausgestanden seien und der Herzogin der Ndeiiifchanze belagert werde, traf zuerst als unbestimmtes Gerücht,dann von Seite der Republik Venedig der, als »»zweifelhafte Neuigkeitdie Veltlinerarmee wie ei» Donnerschlag. Obscho» tapfer und bis dahinstets siegreich, sah sie sich doch nunmehr ihres Hauptes beraubt »nd warzu keinem Entschlüsse mehr fähig. Einige meinte», man müsse sich daraufbeschränken das Veltlin zn behaupten; Andere, es sei nothwendig, Ser-bellvui anzugreifen und nachdem man diesen geschlagen, sich gegen die Bünd-ner zn kehren; wieder Andere glaubten, man sollte in den Forts Besazungenzurücklassen und mit dem Neste der Truppen dem Herzoge zu Hülfe eile».

Man berathschlagte über alle drei Ansichten und konnte sich zn keiner ent-schließen, denn diejenigen, welche eine» guten Rath zn gebe» vermochtet',besaßen keine Autorität und diejenige», welche Seziere gehabt hätten, warensowohl zu rathen, als sich selbst zn entschließen unfähig. So verging dieZeit mit Berathschlagen und doch hätte man nach Besezung der Forts imVeltlin und der Grafschaft Cläven, welche für zwei Monate mit Vorräthenversehen waren, immerhin noch dreitausend Mann und dreibuudert Pferdein die Bünde senden »nd sowohl den Herzog entsezen, als die Kaiser-lichen am Einmarsch hindern können. Gelang dieses, wie zu erwartenstand, so war es ein Seichtes, das Veltlin wieder zn gewinnen, selbstwenn es von Spanien überschwemmt gewesen, den» die Forts bliebenja stets in den Händen der Franzosen. Auf der anderen Seite aberhatte der Besiz des Veltlins durchaus keine» Werth, wenn die bünd-nerischen Päsjc für die Franzose» verloren waren."