326
Zwistigkeiten zwischen den
1611 wohnter Art und Weise gegen die Protestanten loszuziehen begonnenhätten. Dabei nicht stehen bleibend, hätten sie seit lange schon ge-meinschaftliche Gotteshäuser für die Katholiken allein i» Anspruch zunehmen, Kirchhöfe und Glocken den Evangelischen zn entziehen, Lezteredurch Worte und That zur Beobachtung ihrer Festtage zn zwingen,von Katholiken mit ihnen geschlossene Ehe» wieder zn trennen, Klösterohne Erlaubniß zu bauen und Mehreres dieser Art in's Werk zu sezenversucht Dieß alles laufe den vor dem Jahre 1620 in Kraft stehende»Bestimmungen entgegen und störe im höchsten Grade die Eintracht. Sie,die evangelischen Geistlichen, ihrerseits wünschten die politische Obrig-keit als Dienerin Gottes zu ehren, ihrem Gehorsam sich nicht zu ent-ziehen und nach ihrem Vermögen mit Allen einen wahren und ungetrüb-ten Frieden, der apostolischen Vorschrift gemäß, zu unterhalten. Auchmischten sie sich keineswegs weiter in politische Angelegenheiten alsihr Beruf es erfordere. Es sei auch gesezlich bestimmt, daß Gesandteauswärtiger Mächte keinen dauernde» Aufenthalt in den Bündenhaben und sich weder um politische noch kirchliche Fragen bekümmernsollten (so war mi" Spanien, das sie übrigens nicht bei Namen nenn-ten , in der That verabredet worden), — aber auch dem werde ent-gegengehandelt.
In weitläufigerer Weise und schriftlich abgefaßt, wurde ein Me-morial von den protestantischen Boten den Katholiken mitgetheilt.
Leztere hielte» hierauf Rath, hauptsächlich mit dem Bischof vonCur, nach dessen Wink sie sich richteten und händigten im MonatAugust, als der apostolische Nuntius bereits in den Bünden sich be-fand, eine ebenso bittere als unhöfliche Antwort (wie mir später dererste Kanoniker, nämlich der Domprobst von Cur persönlich gestand,floß sie aus der Feder des Bischofs selbst) den Protestanten ein. IhrInhalt ging dahin:
Die Evangelischen seien die Grundursache aller Uebel in denBünde» und auch die Veranlaßnng des Aufruhrs im Veltlin. Wennman ihnen nicht bald einen Zaum anlege, würde auch bald eine neueRebellion die Folge sein. Die angeregten Neformgeseze vom Jahre1526 seien durch den Nuntius Scapi Anno 1624 aufgehoben worden.In politischen Dingen wollten die Katholiken zwar den Landesgesezengemäß mit den Evangelischen leben; in kirchlicher Hinsicht aber hingensie ganz und gar von dem Papste, als Statthalter Christi, ab undwürden ihre kirchliche Freiheit, ihre Priester als Gesalbte Gottes,