Buch 
Des Ritters Fort. Sprecher v. Bernegg J.U.D. Geschichte der Kriege und Unruhen, von welchen die drei Bünde in Hohenrätien während der letzten Jahre heimgesucht wurden / [Fortunat von Sprecher von Bernegg] ; nach dem Lateinischen bearbeitet, durch Anmerkungen erläutert und unter den Auspizien der bündnerischen geschichtforschenden Gesellschaft herausgegeben von Conradin v. Mohr
Entstehung
Seite
348
JPEG-Download
 

348

Ausgleichungsvcrsuche

i6-t3, Amtes in Eid und Pflicht genommen. Gegen den ausgesprochenenAusschluß der Landschaft erhoben die Davoser gehörig Protest undwiesen die Ungültigkeit dieser Maßregel klärlich nach.

Inzwischen bemühte» sich die Bote» beider Bünde auf jede mög-liche Weise, die Sache auf eine freundschaftliche Art zu Ende zubringen. Die Abgeordneten der Gerichte wiesen dieses nicht von derHand. Da wir Davoser aber lediglich den Auftrag hatten, auf Justizzu dringen, wurden zwei der Unsrigen sofort in aller Eile »ach Davosgesandt und die Bevölkerung daselbst versammelt, doch ging der Be-schluß derselben einstimmig dahin, von dem Nechtsspruche nicht ab-weichen. Wie die Vermittler sagten, würden die Gerichte damals derLandschaft Davos die Wahl jedes dritten und wenn nothwendig, viel-leicht auch jedes andern Bundshauptes zugestanden haben.

Die Gerichte versuchten darauf noch eine andere Gewaltthätigkeit.Als die Bote» der beiden Bünde am 15./25. April zu Jlanz tagten,drangen die vom Zehngerichtenbunde unter Zuzug ihrer (Säumer ge-waltsam in die Siznng, — wobei ihnen hauptsächlich Conradin vonEastelberg, Landrichter und Duric Enderlin's Neffe, durch die Fingergesehen haben soll. Es verließen aber einige Boten, gegen diesenGewaltakt protestirend, sofort die Siznng und abermals unterbliebjede Schlnßnahme von Wichtigkeit. Als die Davoser es erfuhren,verwahrten sie sich schriftlich gegen diese neue Unbill und behielten sichalle ihre Rechte und Privilegien bestens vor. Die Boten der beidenBünde gaben dagegen ebenfalls schriftlich die feierliche Versicherung,daß jene Handlung ganz ohne ihr Vorwissen stattgehabt hätte und denDavosern nirgends und zu keiner Zeit nachtheilig sein sollte, wie dennauch dergleichen für künftig durchaus unterbleiben sollte. Dieses wardas Ergebniß des Beitags zu Jlanz, der sich sofort auflöste.

Die beiden Bünde hatten am 29. Mai alten oder 9. Juni neuenKalenders den Landvogt zu Castels, Johann Victor Travers, nachGrüsch an die Gerichte und den Landrichter Christian de Flocin andie Davoser gesandt um eine gütliche Ausgleichung zu versuchen undzwar wie Travers sagte, in der Weise, daß sie bei den streinge»Wahlen Jahr um Jahr mit einander abwechseln sollten. Die Gerichteverlangten, daß die Davoser sich zuerst erkläre» sollten und diese woll-ten von ihrem Rechte nicht weichen. Es kamen Seitens der Eriternauch einige Boten in die Landschaft und suchten die Bevölkerung zubesänftige» und zu einer Vereinbarung zu überreden. Sie meinten