398 Evangel. Cultus in den vier Dörfern.
1644. lieferung Seitens der Untervazer und Zizerser nur mit großem Wi-derstreben und unter Zurückbehaltung einer authentische Abschriftihrer Urkunden geschehen. Die Trimruiser jedoch seien auf wunderbareWeise im Besiz der Originale selbst geblieben, indem Leonhard Gaudenz,ein Protestant, sie mit andern seiner Schriften, in einem Kästchen ver-schlossen, Christian Strebel, einem Katholiken auf dem Hofe zu Cur,aufzuheben gegeben, und dieser die Truhe ohne Kenntniß ihres Inhalt,unverlezt aufbewahrt und zurückerstattet hätte.
So seien dann im Jahre 1622 beide Kirchen sammt allen ihrenEinkünften von den Katholiken wieder zu Handen genommen worden.
Als in diesem Jahre nun die Evangelischen das Verlangen umWegweisung der fremden Orden, und Unterwerfung der geistlichenPersonen unter die weltliche Gewalt stellten, standen die übrigen ka-tholischen Bündner ihren katholijchen Glaubensgenossen in den vierDörfern zur Seite und veranlaßten, daß die Entscheidung der ganze»Sache vor die Eidgenossen gezogen wurde.
Nachdem dieselben nun beide Partheie» des Oefteren mit Auf-merksamkeit angehört und die Documente geprüft hatten, hießen dieEvangelischen unter ihnen die Instrumente der Protestanten gut.während die Katholiken die Sache zur Berichterstattung an ihre Ober»nahmen und Alle dann nach einen Aufenthalt in den Bünden vonzwölf Tagen, unter ernstlicher Vermahnung an die Partheien, dieRuhe nicht zu stören, wieder abreisten.
Am 16/26 April wurde bierauf in der kleineren Kirche, St. Leon-hard, zu Trimmis von dem evangelischen Pfarrer Andreas Lorez einePredigt gehalten. Das Nämliche fand am 20/30 Mai zu Untervaz(es befindet sich dort nur eine Kirche) durch Joseph Rotund, evan-gelischen Prediger zu Jgis statt. Bei beiden Gelegenheiten fanden sich,wenn auch ohne anderweitige Begleitung, die bündnerischen, evangeli-schen Rathsboten ei», um jede Zügellosigkeit und jeglichen Muthwille»zu verhüten.
Am Mastrilscrberg, (es gehört dasselbe ebenfalls nach Zizcrs), womittelst Beisteuern der Eidgenossen und einiger evangelischen Bündnerdie Protestanten vor einigen Jahren eine Kirche erbaut und weil amSt. Stephans-Tage die erste Predigt dort gehalten worden war, ibrden Namen St. Stephan gegeben hatten (die Oesterreicher tauftensie „h. Maria zum Siege," den Franzosen diente sie eine Zeit lang zurAufbewahrung von Waffen und jczt stellte man sie wieder her) wurde