Friedrich der Große.
59
reuen, die er sich gegeben hatte, um Eifersucht unter denMitgliedern seines Hofhaltes zu entzünden. Der ganze Palastwar in Währung von literarischcn Intriguen und Cabalcn. Eswar umsonst, daß die Herrscherstimme, welche 160,000 Solda-ten in Ordnung hielt, erhoben ward, den Streit der erbittertenSchöngeister zu beschwichtigen. Es war viel leichter, einensolchen Sturm aufzuregen, als ihn zu stillen. Auch war Fried-rich, in seiner Eigenschaft als Schöngeist, keineswegs ohne sei-nen eignen Antheil an den Kränkungen. Er hatte eine großeMasse Verse an Voltaire geschickt, mit dem Ersuchen, daß siemit Bemerkungen und Berichtigungen zurückgestellt werdenmöchten. „Sich," rief Voltaire aus, „welche Masse seinerschmutzigen Leinwand der König mir zu waschen geschickt hat!"Zuträger fehlten nicht, den Sarkasmus an das königliche Ohrzu bringen, und Friedrich war nicht weniger aufgebracht, alsein Grubstraßcnautor, der seinen Namen in der Dunciade ge-funden hatte.
So konnte es nicht lange fortgehen. Ein Umstand, der,wie die gegenseitige Achtung der Freunde in ihrer ersten Wärmewar, bloß ein Stoff zum Lachen gewesen sein würde, erzeugteeinen heftigen Ausbruch. Maupertuis erfreute sich der Ge-wogenheit Friedrichs so sehr, wie nur irgend ein Literat. Erwar Präsident der Berliner Akademie, und er stand in der li-terarischcn Gesellschaft, die an dem preußischen Hofe versammeltworden, wiewohl mit einem ungeheuren Abstände, als Zweiterzu Voltaire. Friedrich war es gelungen, indem er zu seinemeignen Vergnügen mit den Gefühlen der beiden eifersüchtigenund prahlhaften Franzosen spielte, eine bittere Feindschaft unterihnen hervorzurufen. Voltaire beschloß, sein Zeichen, ein nie-mals zu verwischendes Zeichen, auf Maupertuis' Stirne zusetzen, und schrieb die ausgesucht spaßhafte Diatribe des Doctor