Mirabeau und die französische Revolution. 111
guten Werken und an verdienten Ehren. In einigen der höch-sten Zweige, in denen der menschliche Geist sich bethätigen kann,hat er nicht seines Gleichen, noch einen Zweiten zurückgelassen.Von seinen Zeitgenossen hat er, nach dem gewöhnlichen Loose,mehr oder weniger als Gerechtigkeit erfahren. Er hat blindeSchmeichler und blinde Verkleinern gehabt, — Schmeichler,die in seinem Style nichts sehen konnten, als Vollendung, Ver-kleinern, die in seiner Lehre nichts sehen konnten, als Unsinn.Er wird jetzt Richter haben. Die Nachwelt wird ihre ruhigeund unparteiische Entscheidung fällen, und diese Entscheidungwird, wie wir festiglich glauben, den Mann, der die Jurispru-denz als ein Rothwälsch fand und als eine Wissenschaft verließ,in dieselbe Reihe mit Galilei und mit Locke stellen. Niemalsgab es eine so glückliche literarisckc Genossenschaft, wie ,die desMr. Bentham und des M. Dumcnt. Das rohe Material, dasMr. Bentham lieferte, war höchst kostbar; aber es war nichtfür den Markt geeignet. Er war gewißlich zugleich ein großerLogiker und ein großer Rhetoriker. Aber die Wirkung seinerLogik wurde durch eine fehlerhafte Anordnung und die Wirkungseiner Rhetorik durch einen scblerhaften Styl beeinträchtigt.Sein Geist war kräftig, umfassend, fein, fruchtbar an Beweis-gründen, fruchtbar an Erläutcrungsmitteln. Aber er redete ineiner unbekannten Zunge, und nenn die Gemeinde erbaut wer-den sollte, war es nöthig, daß irgend ein Bruder, der die Gabeder Auslegung hatte, das unschätzbare Kauderwelsch erklärte.Seine Orakel waren von hohem Inhalt; aber sie wurden aufBlätter geschrieben und lose dem Winde zugeschleudert. Insolchem Grade vernachlässigte er die Künste des Auswählens,Vertheilens und Zusammcndrängcns, daß er Personen, die ihrUrtheil über ihn nach dem ungeordneten Zustande seinerSchriften bildeten, als der minvest systematische aller Philoso-