Mirabeau und die französische Revolution. 141
von Vezicr zu Vezier und von Sultanin zu Sultanin überwie-sen, bis sie jenen Punkt erreicht hotten, wo es keinen tieferenAbgrund der Schande mehr gab, bis das Joch Manpeou's siesich nach Choiseul sehnen gemacht hatte, bis Madame du Varrisie gelehrt hatte, Madame de Pompadour zurückzuwünschen.
Doch wie unpopulär die Monarchie geworden war, dieAristokratie war noch unpopulärer, und nicht ohne Grund. DieTyrannei eines Individuums ist weit erträglicher, als die Ty-rannei einer Kaste. Die alten Privilegien waren dem neuenReichthum und dem neuen Wissen ärgerlich und verhaßt. Allesverrieth das Herannahen einer ungewöhnlichen Revolution, einerRevolution, bestimmt, nicht lediglich die Rcgierungsform, son-dern die Vcrthcilung des Eigenthums und das ganze Gesell-schaftssystem zu ändern, einer Revolution, deren Wirkungen an« jedem Heerde in Frankreich empfunden werden sollte, einer neuenJacgucrie, bei der der Sieg auf Seiten des .lacgues Iwnlioinmebleiben sollte. Im Vorreihen der Bewegung standen die Geld-leute und die Literatcn, der verletzte Stolz des Reichthums undder verletzte Stolz des Geistes. Eine ungeheure Masse, durchUnterdrückung unwissend und grausam gemacht, tobte imNachzug.
Wir zweifeln sehr, ob irgend ein Verfahren, das Lud-wig XVI. hätte befolgen können, eine große Erschütterung abzu-wenden vermocht hätte. Aber wir sind gewiß, daß, wenn eseinen solchen Weg gab, dies der von M. Turgot empfohleneWeg war. Die Kirche und die Aristokratie spotteten, mit jenerBlindheit gegen Gefahr, jener Unfähigkeit, zu glauben, daß ir-gend etwas Anderes sein könne, als was gewesen ist, die ein lan-ger Machtbcsitz zu erzeugen selten verfehlt, über den Rath, dersie vielleicht gerettet hätte. Sie wollten keine Reform habenund sie erhielten Revolution. Sie wollten nicht einen kleinen