144 Mirabeau und die französische Revolution.
men. Hoffnungen waren für sie, was Erinnerungen für unssind. In den Institutionen ihres Landes fand sie nichts zulieben oder zu bewundern. Soweit zurück, als sie blicken konnte,sah sie nur die Tyrannei Einer Classe und die Erniedrigungeiner andern, Franke und Gallier, Ritter und Leibeigener, Edel-mann und roturier. Sie haßte die Monarchie, die Kirche,den Adel. Sie kümmerte sich nicht um die Stände oder dasParlament. Es ist lange Zeit Mode gewesen, all die Thorhei-ten , die sie beging, den Schriften der Philosophen zuzuschrei-ben. Wir glauben, daß es Misregicrung nnd nichts als Mis-rcgierung war, was den Stachel in diese Schriften brachte. Esist nicht wahr, daß die Franzosen Erfahrung für Thcoriccn Hin-gaben. Sie nahmen ihre Zuflucht zu Thcoriccn, weil sie keineErfahrung von guter Regierung hatten. Daß sie keine Chartehatten, daher kam es, daß sie über den Urvcrtrag radottirtcn.Sobald ihnen erträgliche Institutionen verliehen wurden, fingensie an, auf diese Institutionen zu blicken. 1830 war ihr Sam-mclruf: Vivs la Lliarts! 1789 hatten sie nichts, als Thcoriccn,worum sie sich sammeln konnten. Sie hatten gesellschaftlicheUnterschiede nur in einer schlechten Gestalt gesehen, und es wardaher natürlich, wenn sie durch Sophismen über die Gleichheitder Menschen getäuscht wurden. Sie hatten so viel Ucblcs vonder Souvcrainctät der Könige erfahren, daß sie zu entschuldigenfein dürften, wenn sie Denen ein williges Ohr liehen, die, inübertreibender Weife, die Lehre von der Souvcrainctät des Vol-kes predigten.
Die Engländer, zufrieden mit ihren eignen nationalenErinnerungen und Namen, haben niemals in den InstitutionenGriechenlands und Roms nach Mustern gesucht. Die Fran-zosen, die in ihrer eignen Geschichte nichts hatten, worauf siemit Vergnügen zurückblicken konnten, nahmen ihre Zuflucht zu