Band 
Fünfter Band.
Seite
146
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146 Mirabeau und die französische Revolution.

M. Dumont uns vorgeführt hat. Sein Mirabeau insbeson-dere ist unvergleichlich. Alle die früheren Mirabeaus waren imVergleich damit Sudeleien. Einige waren bloß nach der Phan-tasie gemalt; andere waren grobe Caricaturen; hier ist daswirkliche Individuum, weder Gott noch Teufel, sondern einMensch, ein Franzose, ein Franzose des 18. Jahrhunderts, mitgroßen Talenten, mit starken Leidenschaften, durch schlechte Er-ziehung verderbt, von Versuchungen jeglicher Art umringt, zueiner Zeit durch Schmach zur Verzweiflung gebracht und dannwieder vom Ruhm berauscht. Alle seine entgegengesetzte» undscheinbar unvereinbaren Eigenschaften sind in dieser Darstellungso zusammcnverschmolzen, daß sie ein harmonisches und natür-liches Ganze bilden. Bis jetzt war Mirabeau für uns und,wie wir glauben, für die meisten Leser der Geschichte, nicht einMensch, sondern eine Kette von Gegensätzen. Von nun an wirder ein wirkliches menschliches Wesen sein, ein merkwürdiges undexcentrisches Wesen freilich, aber vollkommen begreifbar.

Er liebte es, wie M. Dumont uns erzählt, wunderlich zu-sammengesetzte Spottnamen zu geben. So war M. de LafapctteGrandison-Cromwell; der König von Preußen war Alarich-Cottin; D'Espremenil war Crispin-Catilina. Wir denken,daß Mirabeau selbst, nach seiner eignen Weise, als ein Wilkes-Chatham bezeichnet werden könnte. Er besaß Wilkcs' Sinnlich-keit, Wilkes' Leichtsinn, Wilkes' Unempfänglichkcit für Scham.Wie Wilkes, hatte er sich durch die besondere Gröblichkeit seinerUnsittlichkeit und durch die Schlüpfrigkeit seiner Schriften denTadel selbst der Lüstlinge zugezogen. Wie Wilkes, war er un-bekümmert, nicht bloß um die Gesetze der Sittlichkeit, sondernauch um die Gesetze der Ehre. Gleichwohl befliß er sich, wieWilkes, den Charakter des Demagogen mit dem des feinenGentleman zu vereinigen. Wie Wilkes, gewann er. durch seine