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29 (1843) Paris im Jahre 1806 : Vermischte Schriften aus C.J. Weber's Nachlass ; mit Uebersetzung der aus fremden Sprachen angezogenen Stellen vermehrt / [Carl Julius Weber]
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worunter die Galerie dOrleans die Königin ist und anPracht und Glanz Alles übertrifft.

Das Erdgeschoß des Palais Royal besteht aus einervon 180 Bogen gebildeten Halle, worin sich mehr als 300Routiyueu befinden, erleuchtet von vielen 1000 hellschimmcrn-deu Lampen, und von Modehändlerinnen, Goldarbeitcrn,Blumen - Macherinnen, Uhr- und Krystallglas-Händlern,Ebenisien, kurz: von alle» denjenigen Künstlern und Hand-werkern eingenommen, welche Artikel der Mode und desLurus anfertigen oder verkaufen. Alle diese Boutiquenschimmern von Spiegel», Kronleuchtern, Mahagony-Schränken, Marmortafeln, Fenster-Vorhängen, Teppichen,und das 'Alles unter dem Zauber einer reichen, zweckmäßigangeordneten Beleuchtung, so daß man sich in eine Feen-Welt versetzt glauben könnte. Und in diesem Microkos-inos, welchen das Palais Royal bildet, findet jede Licb-lings-Neigung reiche, volle und schnelle Befriedigung, auchdas verworfenste, niedrigste Laster hier den Gegenstand,das Ziel seines wilden Begehrens, wenn ihm nur dasMetall nicht fehlt, womit man hier Alles beschwören,erreichen, besitzen kann! denn hier steht Alles feil, Unschuldselbst und Tugend betteln um den Preis, wofür sie sichPreis geben verkaufen will. Die Schönheit bietet hier,nachdem sie sich des letzten Funkens von Schaam entschla-gcn hat, ihre halbentblößten Reize dem reichen Lüstlingean; für die Spielsucht öffnen sich jene Abgründe, die sooft mit dem Wohlstände auch Gemüthsruhe, Ehre, Lebenverschlingen; für die Eitelkeit, die Modcsucht, den Gaumen-Kitzel, die Trinklust gibt es hier reiche Auswahl undSättigung bis zum Ucberdruß! Kein Wunder, wenn sichhier junge und alte Thoren zu allen Zeiten des Tages her-bcidrängen, besonders aber in den Abendstunden, und hinund Herwegen, und in mitten dieser Schätze einer Fecnwelt,wie man sie nur im Lesen der orientalischen Mährchen-Sammlung von Tausend und Einer Nacht zu ahnen ge-wohnt war, wofern auch nicht wirklich zu genießen, doch