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wenigstens im Anschauen, im Anstaunen und Bewundernzu schwelgen! Und diese« Kon Plus Ultra Alles dessen,was die Welt nur immer Verführerisches, Sinncbcrücken-des und Betäubendes darbieten kann, verdankt seine Ent-stehung einem Mann der Kirche, dem CardinalRichelieu! Dieser legte auf den Trümmern zweier, demhohe» Adel ungehöriger Hotels einen für die damaligenZeiten ungeheuren und glänzenden Palast an, auf dessenregfanr betriebenen Bau er dennoch 7 Jahre verwandte,und mit der zweideutigen Inschrift versah:
Palais Cardinal,
Hier richtete er denn einen prachtvolle» Schauspielsaalein, wofür er ausgezeichnete Köpfe, z. B. den älterenCorneille und Andere verwendete, und dadurch die schaulu-stigen Pariser wohl mit dem sonderbaren Namen, mit demnicht recht zu seinem geistlichen Titel passenden Lnvus undvielleicht gar mit manchen Gewaltstreichen seines despo-tischen Regiments auszusöhnen wußte. Für dieses Theaterschrieb der Cardinal wohl auch selbst Stücke, die aber nichtimmer mit Beifall aufgenommen wurden, denn im Par-terre behauptete der Pariser noch unter jeder Regierungseine Unabhängigkeit, und weder ein Cardinal noch einNapoleon konnten ihm dieses nehmen! Daher mußte essich denn auch ein Richelieu gefallen lassen, daß eineStimme einst mitten aus dem Parterre rief: „Ah, cen’est pas lä uns piece cardinale, mais d’un Cardinal!"So zog denn die Pariser Welt bei der Wahl, entwederden Despolen zu verabscheuen oder den Dichterling zu ver-spotten , ächt parisisch Letzteres vor.
Drei Jahre nach seiner Vollendung ging dieser Palastals Geschenk an Ludwig den Dreizehnten über, und trugwohl wesentlich dazu bei, denselben in seinem Wahne zubestärken, als ob Alles, was der Cardinal thue, blos zudes Königs Ehre und Nutzen gereiche. Später nahm Annavon Oesterreich, die des Cardinals-Palast dem Louvre vor-zog, von ihm Besitz und da Louis XIV. ihn gemeinschast-