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29 (1843) Paris im Jahre 1806 : Vermischte Schriften aus C.J. Weber's Nachlass ; mit Uebersetzung der aus fremden Sprachen angezogenen Stellen vermehrt / [Carl Julius Weber]
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stets unruhig, um sich hcrforschcnd, der Uebergang vonder Stirne zur Nase ist nicht so griechisch, wie man ihnin den meisten Abbildungen von Bonaparte findet, sondernmacht einen merklichen, aber doch sanften Einbug. DieStirne ist breit, aber nicht gerade von ausgezeichneterForm, weder gewölbt noch platt, meistens ist sie auch,wiewohl nur dünn, von dem schwarzen Haare bedeckt,weiches er rund um den Kopf trägt, ihm aber nicht sehrgut läßt, da es überall dünn ist, und ganz schlicht, wiewenn es naß wäre, anliegt. Zu seinem Costumekleide oderUniformsrocke trägt er gewöhnlich eine weiße, reich inGold gestickte Atlasweste mit ziemlich langen Schößen undweiße Kasimir-Beinkleider mit goldgestickten Kniegürteln.Lange breite Spitzen - Manschetten, die bis über die Fingerherabhängen, ein sehr langer und breiter Spitzen-Jabor,weiße, seidene Strümpfe und sehr breite, meist goldeneSchuhschnallen, ein französischer Degen, und sein kleiner,dreieckiger Hut vollenden den Anzug. Seine Haltung isteinfach, ruhig und sicher; er verneigt sich kaum merklich.Ungeachtet dieser äußeren Ruhe erkennt man doch leicht denJtaliäncr oder, wie die Jtaliäncr sagen, den Corscn,dessen National-Physiognomie bei ihm ein ihrer vollcstenEigenthümlichkeit ausgedrückt seyn soll. Seine Ausdrückesind ungcsucht, fast »»gewählt; seine Anreden und Fragenhaben etwas Herrisches, das gerade auf den Mann oderdie Sache zugeht. Er macht sich eben so wenig aus derguten Küche und dem feinen Keller, als aus den schönenKünsten, deren er auch'nie irgend eine geübt hat. Er liebtdie Weiber nicht und so haben die geselligen Freuden nochjetzt für ihn eben so wenig Reiz, als sie von seiner Kind-heit an für ihn hatten. Er liebt weder Musik noch Tanz.Am Theater, und da nur an der Tragödie, und in dieserauch wieder nur an Corneille, findet er Interesse; mehraber der heroischen Gesinnungen, die in diesem Dichteroft so stark und pomphaft ausgedrückt sind, als des Kunst-spiels wegen. Daher liebte er auch wohl in jüngeren