Mutter der himmlischen Liebe. Also, wer nicht hat,was ich brauche, noch braucht, was ich habe, der istund bleibt mir fremd. Erkünstelte Bedürfnisse aberund gelogener Reichthum machen den Menschen nurelend, indem sie ihn von allen wahren Bestrebungen,von allem gründlichen Genuß entfernen. Erschlichene,gegaukelte, theatralische Freundschaft — ich kennenichts, das mir ekelhafter wäre. Wie sie da hcrum-zappeln, die zwei Gleißner, als Orest und Pylades ver-kappt, auf ewig an einander geschmiedet mit weißble-chenen Theater - Fesseln, deren Bande so weit sind,daß sie ihnen stets über die Faust Herabzugleiten drohenund bey einem etwas starken Geberdenspiele auch wirk-lich Herabgleiten!
Weg von diesem Bilde! — Und nehmen Sie,liebste Mariane, von mir die Erklärung an, daß ichein so wahres, bündiges Verhältniß gegenseitiger Reizezwischen Ihnen und mir wahrnehme, daß unsereFreundschaft dadurch zu einem Naturgesetze wird. Zu-fällige Dinge können eine solche Uebereinstimmung derGeister und Herzen nicht zerstören, nicht einmal krän-ken. Wenn es etwa geschieht, daß Personen, von derNatur berufen, einander Freunde zu seyn, sich aus