Band 
Sechster und letzter Band.
Seite
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nunst gehorchte. Man bestimme nur genauer die Be-griffe von beiden (die durchgängig angenommen sind,und von denen wir darum auch auszugehen uns genö-thigt fanden), und es wird sogleich augenscheinlich,daß beide Wesen aus jenen Begriffen hervortreten alszwei durchaus verschiedene, durchaus unabhängigeMächte, unvergleichbar in Gewalr, Eigenschaft undBestreben. So wie jene nichts vermag über diese, soauch wieder diese nichts über jene. Za, es weiß nichteinmal die eine von der andern; sie kennen einandernicht. Der Mensch aber, den die eine wie die andereausschließend zu besitzen strebt, weiß von beiden, doch,wie er wunderlich zwischen ihnen getheilt ist, nur lau-ter unvollkommenes. Und so bildet sich (dürfte mandemnach wohl annehmen), in ihm jener zwiefache Wahnvon einer schlimmen Seite an der Vernunft und einerguten an der Liebe. Der gute Schein an der Liebe,zufolge dieser Ansicht, entstände blos daher, daß ihrdie Vernunft im Wege ist. Besitz von dem ganzen Men-schen zu nehmen und ihn mit Unmaßigkeit zu erfüllen.Der böse Schein an der Vernunft, daß ebenso dieLiebe allein ihr im Wege ist, Besitz von dem ganzenMenschen zunehmen und ihn zu erfüllen allein mit sich.

Dieß mag nun gelten oder nicht, so wird sich inalle Wege zeigen, daß die Liebe nicht unter der Ver-nunft begriffen, nicht aus ihr abgeleitet werden kannals ein zweites oder drittes, welches nothwendig mitihr und in ihr, als dem Ersten, Obersten, Ursprüng-lichen, sich zugleich darstellte. Wollte man aber die