218
in bloßer Repräsentation. Alle äußerliche Ein-richtungen, die in Beziehung auf sie gemacht werdenkönnen, helfen ihr nur negativ, räumen ihrer Ent-stehung und Wirksamkeit nur Hindernisse aus demWege. Wohl aber kann es den Schein haben, alsbrächten dergleichen Einrichtungen und Anstalten Tu-genden hervor, weil sie Handlungen, Angewöhnun-gen und Wirkungen hervorbringen, die den Wirkun-gen der Tugend ähnlich sind. Man kann die Men-schen bis auf einen gewissen Grad abrichten zur Ent-haltsamkeit, Tapferkeit und Treue, und diese ihnenanerzogenen Fertigkeiten auch zu nicht tugendhaftenZwecken gebrauchen. So hat man auf allerleiWeise das bloß nützliche an der Tugend von ihrselbst abzusondern und von ihr unabhängig zu ma-chen gesucht, um es nach Willkühr zu gebrauchen.Das hat unter den Menschen die Begriffe von derTugend, von ihrem Werth und ihrer Kraft verwirrt,und zumal den Gedanken in Umlauf gebracht, daßsie überall nur betrachtet werden müsse als ein Mittelzu andern Zwecken; daß sie im Grunde unter derHerrschaft der Begierden und Leidenschaften stehe, javon diesen erfunden worden sey. Sobald dieser