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Begierden, mehrere Ideen, mehrere Gefühle, alle ge-nau von gleicher Starke, annehme, so begreife ich,daß das Vermögen zu wollen allein durch sich selbsteinen bestimmten Willen hervorbringen könne. Da ichaber dieseVoraussetzung für falsch und ungereimt halte:muß ich nicht folgern, daß eine jede überwiegende Ideein der Einbildungskraft beinah mit der Kraft des In-stinkts wirke? Und wo bleibt denn jene so geprieseneFreiheit?
Diokles.
Was Du da sagst, ist sehr richtig; aber Du bewei-sest nichts mehr, als daß es wenig freie Menschen gebe,und eigentlich nur derjenige Mensch frei sey, der einWeiser ist.
Alexis.
Wenn es Dich in Deinem Gange, mich zurecht zuweisen, nicht zu sehr aufhält, so wollte ich Dich wohlbitten, mein Freund, daß Du mir deutlich sagtest,was nach Deiner Meinung ein Weiser sey.
Diokles.
Ein Weiser, mein lieber Alexis, ist derjenige, derkeine überwiegende Idee, keine überwiegenden Gefühleduldet, wenn nicht sein Verstand und sein Gewissen,nach einer reifen Prüfung, sie genehmigt haben; dersich von seiner Einbildungskraft, oder der Empfindlich-keit seines Herzens nie unterjochen laßt; der sich bei-der nur bedient, um zu genießen, oder durch sie, imNothfall, seine Thätigkeit, sein Vermögen wollen zukönnen, zu verstärken. Du hast Recht, wenn Du die