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Umsonst sagt der Kenner des Alterthums: „Kreter,irrt nicht. Dieß Grab ist das Grab des Minos, undeuer Betrug beruht auf zwei von der Zeit ausgelöschtenWorten." Welcher Kreter ließe sich nicht todt schlagen,um seinem Vaterlande die Ehre eines so berühmtenDenkmals zu erhalten!
Es liegt am Ende wohl nicht viel daran, was dasVolk zu Kreta vom Jupiter sich in den Kopf setzt; we-niger gleichgültig aber ist es, Alexis, daß selbst Philo-sophen demselben Uebel unterliegen.
Um die Geschichte des Vorurtheils zu vollenden,muß ich Dir, mit einiger Scham, erzählen, was mirvor wenigen Monaten begegnet ist; doch es bleibtunter uns.
Ich ging mit Aristaus, Autolykus, Chrysothemis,dem langbärtigen Epikurer, und mit Kallikles, dem Stoi-ker, nach Sunium.
Wir waren noch nicht weit auf unserm Wege, alsKallikles und Chrysothemis schon in vollem Streit wa-ren über die Tugend, das Schöne, das Anständige,die Wollust u. s. w-, welches mich aufmerksam machte.Ich wurde bald gewahr, daß in jedem dieser beidenKöpfe der ganze Verrath von Ideen den Ton und dieFarbe der Hauptidee des Systems hatte, das man inder Jugend ihnen hineingepfropft hatte; und da nundiese Systeme einander beinah schnurstracks entgegenliefen, so war es unmöglich, daß die Ideen des einenin den ganz vollgefüllten und besetzten Kopf des an-dern hätten Eingang finden können. Sie verstanden