190
herrschte, Griechenland, ungeachtet mancher einzelnen Bedrückung,dennoch im Ganzen glücklich und glorreich gewesen, daß Athendas Herbe seiner Herrschaft durch Emporbringung des Handels,der Künste und Wissenschaften versüßt, und in seinem Schooßsolche Talente, solche Tugenden, und so glänzende Charaktere er-zeugt hat, daß ihre Betrachtung uns meist mit dem Mißbrauchseiner Macht versöhnt.
Perikles.
Unter diesen Charakteren zieht vorzüglich Perikles unsereBlicke auf sich, einer der größten Männer, die jemals ein Ge-meinwesen gelenkt. Schon damals, als Cimon im Zenit seinesRuhms war (um 3515), fing der Einfluß des Perikles an;nach Aristides Tod (5523) erhielt er die oberste Leitung derGeschäfte, und behielt sie sein Leben lang, so daß er durch vierzigJahre, meist ohne Theilnehmer, über das unruhigste und unbe-ständigste Volk der Welt die höchste Gewalt behauptete. Er be-saß dieselbe nicht als Inhaber obrigkeitlicher Würden — wie erdenn niemals weder Archon noch Mitglied des Areopags war —sondern als Feldherr oder vielmehr als simpler Demagog, durchdie bloße Ueberlegenheit seines Geistes und die freiwillige Folg-samkeit seiner Mitbürger.
Perikles, ungeachtet er aus einem der edelsten Geschlechterstammte, begünstigte gleichwohl die demokratische Partei, wi-es gewöhnlich die nach Herrschaft strebenden Männer in Republi-ken thun. Schon früher war unter Aristides Verwaltung gegendie Svlonischen Gesetze verfügt worden, daß auch die untersteBürgerklasse von den höchsten Staatswürden nicht ausgeschlossensey. Jetzt war die Demokratie fast allein noch durch die Machtdes Areopags beschränkt. Perikles nahm demselben allen po-litischen Einfluß, und machte jene hierdurch vollkommen.
Die Volksmacht wurde endlich, und zumal durch die Be-zahlung, die man den bei den Versammlungen erscheinendenBürgern reichte, in Herrschaft des Pöbels verwandelt, und alsoPerikles für alles Uebel, welches aus dieser natürlich floß, fürdie endlose Verwirrung und die schrecklichen Verbrechen verant-