Unter den Ursachen, welche im vorigen Zeitraum die Wissen-schaften hoben, war eine der wichtigsten, die Freiheit, geschwunden,dagegen schien nur durch den bereits gesammelten Schatz vonKenntnissen die Aufklärung fester begründet. Sie hatte sichüber mehrere Menschenklassen und über eine größere Zahl vonVölkern verbreitet, und die Vereinigung derselben unter der rö-»stlchen Macht bot den Künsten und Wissenschaften eine Unermeß-chchkeit von Hilfsmitteln dar. Der tiefe Friede, welcher von An-last an durch lange Zeit, wenigstens die innern Länder desReichs beglückte, ermunterte durch Ruhe und Sicherheit den stil-len Fleiß; eine vermehrte Zahl von Schulen und Unterrichts-anstalten, von öffentlichen und Privat-Bibliotheken kam demGenie hilffreicb, entgegen, und das gemeinsame Organ der Grie-
! 4 ischcn — als der gelehrten — und der Römischen — als
der herrschenden — Sprache erleichterte die Mittheilung derIdeen, den Gemeinbesitz der Geisteswerke, und die Gleichförmig-keit des Fortschreite»?. Endlich waren mehrere Kaiser — wiegleich anfangsAugustus, dann Vespasian, Trajan, H adrianund die Anton ine — eifrige Beschützer, zum Theil selbst Ver-traute der Musen; Andere beförderten wenigstens durch Pracht-
' liebe den Flor der Kunst; und der Wetteifer der großen Städte,selbst die Eitelkeit oder Liberalität von reichen Privatpersonen, be-schäftigte und ermunterte das Talent.
So viele begünstigende Umstände konnten wohl nicht ohneFrüchte bleiben. Angnstus Jahrhundert ist eine der glänzend-sten Perioden in der Geschichte der Wissenschaften und des Ge-schmacks. Die Musen Latiums eiferten den griechischen nach, und^"de, schwesterlich vereint, brachten Licht und Anmuth an diellter des Ebro, des Rheins und der Themse. Ihr ReichRieh unvermindert — dem Umfang nach — bis auf die ZeitenR'r barbarischen Einbrüche, und wenn gleich die Begeisterungschon frühe zu erkalten schien, so versagten sie doch, bis auf das^Malier der Antonine herab, den Schriftstellern ihren Bei-stand nicht.
i Aber vom dritten Jahrhundert an sielen die Künste und Wis-
semchasien wie im Sturze von der lange behaupteten Höhe herab,^or dem Ende des Zeitraums war im Abendland Italien