366
mit vorbereitet, geprüft, oder auch durch leeres Blendwerk unter-halten wurde, wie bei den großen Eleusi nischen Mysterien,mochten Viele—'selbst Weiber und Kinder—gelangen; in's innereHeiligthum wurden mir Wenige eingeführt. Sie reichten hin, umdas Erloschen der wohlthätigen Flamme zu verhindern, und ausihrer Mitte in die äußern Kreise und in die ganze Nation jedes-mal so viel Licht ausgehen zu lassen, als die Verhältnisse und derallgemeine Kultnrstand erlaubtein
Allgemeiner noch als die Mysterien treffen wir bei den altenReligionen die Orakel an, worunter hier nicht bloß jene heili-gen Orte verstanden werden, wo eine bestimmte Gottheit durchirgend ein Organ auf die an sie gerichteten Fragen Rede undAntwort gab, sondern überhaupt alle Mittel und Wege, die derAberglaube erdacht hat, um dadurch zur Kenntniß des göttliche»Willens und der Zukunft zu gelange». Unaufhörlich wird derMensch von dem unruhigen Verlangen geplagt, den Schleier z»lüften, welcher dicht verhüllend über seiner Zukunft liegt; und i»seinen! Gemüth sind oft «»erklärbare Gefühle, die er Ahnunge»nennt, weil er zwischen denselben und einem bevorstehenden Er-eigniß ein geheimes Band vermuthet. Denn seine kleine Perso»ist der Mittelpunkt, von welchem aus er die Welt betrachtet-Alles ist nur in Beziehung auf Ihn vorhanden; er nimmt unbe-denklich an, daß, seiner Privatanliegen willen, die Götter den Gansder Natur hemmen, und daß selbst die Gestirne ihren Lauf nachseinem Verhängniß richten. Diese Stimmung wurde frühe vo»verschmiyten Leuten mißbraucht, und wir dürfen auf die Frage'/wer die Zeichendeuterei ersonnen, unbedenklich mit Voltaireantworten: „Es war der erste Schalk, der auf den ersten Dünn»'köpf traf." Den Priestern entging es nicht, welchen Vortheil sieaus solchem Aberglauben ziehen könnten. Selbst Gesetzgeber, webche darin ein wirksames Mittel zur Leitung der Menge erkannte»/begünstigten denselben, und eö wurde eine eigene, nach festen W"geln betriebene und allgemein verehrte, heilige Kunst, aus de»Konstellationen, aus den Eingeweiden der Tbiere, dem Dvgelsius'aus Träumen, Loosen u. st w. die Zukunft zu deuten.
Auch die eigentlichen Orakel, welche, wie das Libyst^desHammon, oder das Delphische derGriechen, viele Iabr'