Band 
Erster Band. Alte Welt.
Seite
381
JPEG-Download
 

381

durch ihr« selbstgeschaffenen Theorien, kamen sie doch alle übe rein>n Verachtung der Volksreligion, deren Sähe und Ge-bräuche sie gleichwohl, der öffentlichen Ordnung willen, im Aeus-sirn befolgten.

Auch das Volk wurde allinälig an seinen Göttern irre, undwandte sich mißtrauisch von den Altären; es drang durch alleKlassen der Gesellschaft die geheime Meinung von der Ohnmachtder Götter. Der Trostlosigkeit solcher Gcmüthsstimmung zu ent-rinnen, vernichten die ediern Seelen den Aufschwung zur erha-benen Stoischen Lehre; gemeine Menschen stürzten sich in nochgröberen Aberglauben und vollendeten Unsinn. Der Gottessunkeder Religion, um nicht völlig zu erlöschen, bedurfte einer durchausneuen Belebung.

Aber auch bei demjenigen Volk, welches den Kenn der ur-alten Anbetung in reinerer Ueberlieferung bewahrte, war gleich-zeitig das Bedürfniß einer neuen Gestaltung fühlbar worden.Moses Gesetz war allmälig veraltert. Unter ausländischer Ober-herrschaft, und nach wiederhergestellter Selbstständigkeit, bei deinimmer sich erweiternden Verkehr mit mächtigen und kultivirtenReichen, und der Anlegung Jüdischer Kolonien iin Ausland wareine Fortbewegung mit dem allgemeinen Zeitgeist, und das Ver-tauschen der alten Einfalt mit gefährlicher Verfeinerung unver-meidlich. Zugleich bildeten sich feindselige Sekten unter denvMden, deren gegenseitige Erbitterung zum Mißverständniß oder?ur Verunstaltung des Sinnes der alten Bücher und Ueberliefe-rungen führte. Auf den Sam arita n e rn, welche noch immerMif Garizim ihren eigenen Tempel hatten, ruhte, als auf Irr-gläubigen, der gemeinschaftliche Haß der ächten Juden. Diesewurden durch die widerstreitenden Lehren der Pharisäer (klwris-Eiferer) und Saducäer (XallilUw, Gemäßigte) verwirrt,^erin die Saducäer (sie bestanden aus den Vornehmen; undsichern) hielten sich ausschließend an's geschriebene Gesetz,Und dessen buchstäblichen Sinn, befolgten die Pflichten des Men-^w>< und Bürgers, und übten humane Duldung, aber sie ver-würfen die Unsterblichkeit der Seele, oder die Belohnungen undGrasen nach dem Tode, die Engel und Geister, die Vorherbe-^uumimg und andere Lehren, welche die Pharisäer theils unter