Herrniann, der Cherusker-Fürst.
Zwischen dem Rhein und der Weser führte jetzt den Ober-befehl Ouinctilius Varus. Die Teutschen schienen gedemü-thigt durch die Waffen; jetzt sollten sie auch bürgerlichen Ge-horsam und Römersitten lernen, auf daß der Römer Herr-schaft sich befestige. Mit Staunen und Unwillen sahen die Teut-schen die Ruthen , die Beile — Merkmale verworfener Knechtschaftnach ihren Begriffen — sahen die Formen der gekünstelten Rechts-pflege, die Macht der Chikane, fühlten die Scbmach des aufge-drungenen fremden Gesetzes, und den ungewohnten Druck will-kürlicher Steuern.
Da fachte der Cherusker-Fürst Arminius (Herrmann,vielleicht Heermann, Herzog) den geheimen Brand zur Flammean, und führte seine, in der Stille gesammelten Streitschaaren ge-gen den überlisteten Feind. In trügliche Sicherheit eingewiegt,künstlich gelockt in weglose, wildverwachsene Wälder, vernahmVarus plötzlich und anfallen Seiten schreckliches Schlachtgefchrei.Nach mehrtägigem, blutigem Kampfe im Teutobu rgi scheuForste, durch Mühe, Hunger und Wunden erschöpft, fiel, nach-dem Varus und mehrere der Vornehmsten sich selbst getödtet, derUeberrest der Römer in dumpfer Betäubung unter den Streicheneines erbarmungslosen Feindes. Viele wurden den Göttern ge-schlachtet, einige als Knechte verkauft, eigener und geraubterReichthum fiel den Siegern heim. Das große Heer war zernich-tet, Teutschlands Freiheit erkämpft ").
Rom fürchtete noch größeres Unheil, und that Gelübde, wiein Zeiten dringender Gefahr. Aber die Teutschen verfolgten ih-ren Sieg nicht. Einheimischer Hader unter den Teutschen, be-§sonders zwischen Herrmann und Segest, dessen Tochter jenerentführt hatte, lähmte ihre Kraft gegen den äußern Feind. *
Nachdem Tiber den Thron bestiegen, führte sein Neffe, Dru-sus edler Sohn, Germanicus, den teutschen Krieg, mit glei-
') I. Chr. 9. Kein Monument bezeichnet die Stelle der unsterbliche»Schlacht. Unsere Gelehrten suchen sie in verschiedenen ProvinzenWestphalens.