Doch blieb daS Innere dieses unermeßlichen Binnenlandeslange unerforscht, daher für die Phantasie der Abendländer einfreier Raum, ein wahres Wunder- und Fabelland. Dagegen tratdas Land vom Orinoko bis Darien durch viele Niederlassun-gen in Klarheit hervor; der herrliche Hafen Carthagena, dannSanta Marta, Cumana, Carracas, und auf hoher Berg-platte Santa Fe de Bogota, mit vielen andern, zierten undbeherrschten daS weit ausgedehnte, unter den Namen Guiana,Venezuela, Neugrana da und der im engern Sinn also ge-heißenen Terra ferma bekannte Land.
Auch längs des La Pl ata-Stromes '— obschon de SolisUnglück eine Zeitlang von Entdeckungen abhielt — gründeten dieSpanier ihre Macht. Unter vielen Schwierigkeiten gedieh und er-starkte die Kolonie von Buenosayres, und allmählig wurdendie weiten Provinzen von Tucuman und Paraguay, allesLand bis Chili, Peru und Brasilien dem spanischen ScepterUnterthan.
Die reichsten Länder waren entdeckt. Kaum vermochte dasMutterland genug Menschen herzugeben, um sie auf's nvthdürf-tigste zu besehen und anzubauen. Jenseits ihrer Grenzen warenmeist unwirthbare Regionen, nur kargen Lohn verheißend demEntdecker; zum Theil durch die traurigste Natur abschreckend, jafast unzugänglich. Ein mächtiges, allgemein wirkendes Motivhat auch in diese Gegenden das Licht getragen; es war der un-vertilgbare Wunsch, einen bequemern oder nähern Weg zu findennach der Krone der Handelsländer, nach Indien.
Die Fahrt um's Kap der guten Hoffnung, von den Por-tugiesen eifersüchtig bewacht, und ohnehin äußerst langwierig undmühsam, befriedigte das Bedürfniß nicht. Magelhaens Straßewar gefahrvoll und schreckte ab (wie auch der später entdeckte Wegsüdlich am Feuerland durch le Maire's Straße) durch unge-heure Länge. Man kam immer auf Kolumbus Ideen zurück.Eine westliche Durchfahrt, und wie man diese Hoffnung aufge-ben mußte, eine nordwestliche, endlich eine nordöstliche,war das Ziel des Strebens aller großen, seefahrenden Nationen.Diesem Streben hat die Erdkunde eine vielfache Bereicherungzu verdanken.