294
Schah Nadir. Peters dk. Tob.
Auch Asien empfand seine starke kaiserliche Hand. Währendder schrecklichen Zerrüttungen, unter welchen damals Persienseufzte, ersah Peter die Gelegenheit, mächtig am kaspi scheuMeere zu werden. Die Räuhereien der wilden Lesgier gabenden Anlaß zu einem Eroberungskrieg ( 1722 ), dessen erste, köstli-che Frucht, die wichtige Handelsstadt Derb end, das berühmteFelsenthor am kaspischen Meere, war. Bald nachher flehte derSchah Thamasp die Hilfe des Czaars gegen die Afghanenan, und trat als Preis dafür die kaspischen Provinzen Daghe-stau, Schirwan, Gilan, Mazanderan und Asterabad,nebst den Sädten Baku und Derbend, an Rußland ab.
Solche Drangsale Perstens aber waren die Folge der Er-schlaffung der Svfi's, aus welchen Schah Soliman ( 1666 —1694 ), der Sklave seiner Verschnittenen, das erste auffallendeBeispiel der erbärmlichsten Schwäche gab. Sein Sohn und Nach-folger, Hussein, ein thatloser Schweiger, in dessen Namen dieVerschnittenen die schamloseste Tyrannei ausübten, ward plötzlichdurch den Aufruhr der Afghanen, der kriegerischen Hirten vonCandahar, erschreckt. Mahmud, ein roher Wüthrich, drangin das Herz des Reiches, und belagerte Jspahan. Da tratHussein die Krone ab an Thamasp Mirza ( 1722 ), seinenvierten Sohn, welcher in Kas bin den Sitz seiner Herrschaft auf-schlug. Jspahan aber mit dem Schah Hussein fiel in Mah-muds Gewalt.
In den westlichen Provinzen jedoch herrschte Schah Tha-masp; mit abwechselndein Erfolg stritten seine und MahmudSSchaaren in dem weiten, bluttriefenden Reich. Türken undRussen mischten sich, ihren eigenen Gewinn suchend, in den ver-heerenden Kampf.
Derselbe währte fort unter Aschraf, Mahmuds Neffen undMörder; bis Kuli Chan, ein ehemaliger Kameeltreiber, dersich zum Feldherr» Schah Thamasps aufgeschwungen, drohendgegen Jspahan anrückte, worauf Aschraf den Greis Husseinsammt allen Sprößlingen des Hauses der Sofi, welche Mahmudin die Hand gefallen, schlacktete, und seine Afghanen zurücknach Candahar führte ( 1730 ).