23t
den „heiligen Bund," und also lag auch sicherlich seine Ideein dem Geiste seiner gekrönten Urheber. Aber bald ließen auchStimmen des Zweifels und der Befürchtung sich vernehmen, undman sprach: „Die Zwecke des Bundes wie seine Verheißungensind unbestimmt, auch dem Gefühle mehr als dem Rechteangehörig, oder, was daS letzte betrifft, der verschiedensten Deu-tung fähig. In Bezug auf Sache, Maaß und Mittel ist also deinfreien Ermessen der Häupter Alles und Alles anheimgestellt.Klar ist nichts, als die Verbindung selbst; und diese bildeteine die Schrecken der Universalmonarchie in sich beherber-gende Macht. Wohin sie sich wende: sie ist unwiderstehlich.Von der Richtung, welche sie selbst sich gibt, hängt Heil oderUnheil der Welt ab. Welches wird die Richtung seyn? — Wosind die Feinde, gegen welche die Verbündeten sich wechselsei-tig und für alle Fälle Beistand versprechen?? Ein äußererFeind ist es nicht (ward doch die Pforte, welche allein eS seynkonnte, durch ausdrückliche Versicherungen beruhigt). Im In-nern aber ist's wenigstens keiner der Verbündeten selbst,also keine Regierung (sie sind sich ja alle befreundet; unterihnen ist kein Streit, und gegen Welchen ginge das Bündniß»wenn zwei unter sich zerfielen??). Der Feind also ist unter denRegierten. Aber wer kaun es hier seyn, der zu so furchtba-rer Gegenverbindung auffordert? — Gegen Bösewichter, frecheRuhestörer, gegen ehrgeizige Faktionen oder verbrecherische Kom-plotte ist wohl jede einzelne Regierung stark genug, wofern sienur wachsam und ihrem Volke befreundet ist. Nur wenn etwadas Volk selbst, oder wenn die Gesammtheit der Völker"ne gefährliche Richtung nähme, thäte die Gegenverbindung noth.»Hierin also," wähnten sie, „liegt ihr Ziel." —
So kleinmüthige Befürchtungen wurden zwar niedergeschlagendurch den bei den Häuptern Europa'ö durchgängig sich kund-thuenden Willen der Rechtsgewährung und Volksbeglückung; abererhielten stets neue Nahrung durch die Bestrebungen der»Reaktionsmänner," einer theils böswilligen, theils verblen-deten Partei, die da emsigst Mißtrauen säete zwischen Fürstenund Volk. Unaufhörlich ward den Fürsten eingeflüstert oder zu-gerufen, daß ein böser Geist die Völker durchwehe, nämlich
19 «