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Band II.
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II. Abschnitt. Begriff und Arten des Werthes. I. Werth.

Bekanntlich wird jede Sache erst dann ein Gut, wenn sie Bedürfnissebefriedigt. Von zwei gleich grossen Booten hat dasjenige den höheren Ge-brauchswerth, welches leichter zu bewegen ist, sicherer fährt und wenigerMühe zu seiner Instandhaltung erfordert.

Aber auch die äussere Erscheinung, seine schönere Form und Bemalungerhöhen den Gebrauchswerth, weil diese äusseren Eigenschaften das menschlicheBedürfniss nach edlen Formen und harmonischer Farben Wirkung befriedigen.

Der Gebrauchswerth eines Gutes sinkt, wenn die Zahl der Güter überden Bedarf steigt. Besitzen zwei Fischer etwa 20 Boote, so werden zweiBoote den vollen Gebrauchswerth, vier weitere Boote als Reserve einenmassigen Gebrauchswerth wohl noch besitzen, die restlichen 14 aber sindinsolange werthlos, als die vorerwähnten sechs gebrauchsfähig sind oder bisweitere Persönlichkeiten hinzutreten, welche die Boote gebrauchen können.Diese 14 Boote erhalten also ihren Gebrauchswerth nur durch ihre Be-ziehungen zu Persönlichkeiten, und da nur, wenn diese letzteren Fischer oderSchiffer sind. Sie hören nach Stein auf Güter zu sein und sinken zu Dingenherab, da das „Gut“ nur in seiner Beziehung zur Persönlichkeit bestehen kann.

Koscher sagt: „Gegenstände, welche in einer das Bedürfniss über-schreitenden Menge vorhanden sind, erhalten ihren vollen Gebrauchswerthbis zur Grenze des Bedürfnisses; darüber hinaus bleiben sie Elemente einesmöglichen künftigen Werthes bei eintretender Vermehrung des Bedürfnisses,sind aber werthlos für den gegenwärtigen Gebrauch.“ „So wird z. B. dasbeste Buch in übermässig starker Auflage theilweise Maculatur.“ (Friedländer.)Der Gebraüchswerth eines Gutes sinkt aber auch dann, wenn neue Güterauftauchen, welche die menschlichen Bedürfnisse vollkommener befriedigen.

„Kommt ein neues Gut auf, welches gleiche Bedürfnisse, aber voll-kommener befriedigt, als ein anderes, so pflegt das letztere, obwohl in sichselbst unverändert, von seiner Werthschätzung zu verlieren, insbesondere,wenn jenes in beliebiger Menge erzeugt werden kann. So z. B. der Waidgegenüber dem Indigo.“ (Roscher.)

Ganz ähnlich sind die Verhältnisse bei der Abnahme der Werthschätzungalter Häuser, wenn neue comfortable Miethobjecte erstellt werden. Ebensoverliert die Pferdebahn an Werthschätzung, wenn die gleiche Trasse durcheine elektrische Bahn befahren wird, deren Züge ausserdem noch häufigerverkehren etc.

3. Individueller Werth.

Individueller Werth oder Individualwerth (nach Dietzel) bestehtnur in Beziehung der Sache zur bestimmten selbst schätzenden Person. Sowird irgend Jemand sein Mobiliar mit ganz anderem Werthe belegen als derHändler, der es von ihm erstehen soll, ja er wird es vielleicht auch höhertaxiren als er selbst ein gleiches Mobiliar bei einem Händler erstehen könnte.