II. Abschnitt. Begriff und Arten des Werthes. I. Werth.
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„Ein Gelehrter taxirt seine Bibliothek. Thut er dies, um sich klar-zumachen, welche Werthgrössen die einzelnen Bücher für ihn, das schätzendeIndividuum selbst, besitzen — will er das Maass ihres Individualwerthes, wieman kurz sagen kann, feststellen — so muss er diejenigen“ . . . welche er imVerlustfalle wieder anschaffen würde, weil sie ihm unentbehrlich sind, nachden Kaufpreisen, die, welche er im gleichen Falle nicht mehr anschaffenwürde, „nach den Verkaufspreisen schätzen. Sein Erbe dagegen wird, wenner nicht die gleiche Wissenschaft pflegt, alle Bücher nach den Verkaufs-preisen taxiren.“
4. Affectionswerth.
Ein bloss von Einem anerkannter Gebrauchswerth heisst Affections-werth. (Nach Ad. Müller.)
Affectionswerth kommt solchen Gütern zu, die beispielsweise ein An-denken, eine Erinnerung an ein Ereigniss darstellen oder sonst einem ethischenBedürfnisse des Besitzers genügen, der dann die Werthbeimessung alsSchätzender selbst vornimmt.
In dem vorbezogenen Beispiele wird der Erbe der Bibliothek einem Tlieile,vielleicht allen Büchern einen Affections werth bemessen, weil er in den ein-zelnen Exemplaren nicht allein die Sache sieht, sondern der Umstand, dassder Erblasser sie benutzte, seinem ethischen Gefühle Befriedigung verschafft.
5. Brauchbarkeit.
Brauchbarkeit ist die Eigenschaft eines Gutes, menschliche Bedürfnissezu befriedigen. Sie ist eine Eigenschaft des Gutes selbst und unabhängigvon der Persönlichkeit. Darin liegt auch der fundamentale Gegensatzzwischen Brauchbarkeit und Gebrauchswerth.
Die oben angeführten 20 Boote haben alle Brauchbarkeit, wenn sie denAnforderungen genügen, die wir an ein Boot stellen. Trotzdem kann beiBestand der obengeschilderten Verhältnisse der Gebrauchs werth einzelnerBoote gleich Null sein. Sie verlieren sonach ihren Werth, wenn auch nurvorübergehend, gänzlich, sinken nach Stein von Gütern zu Dingen herab,weil „werthlose Güter“ undenkbar sind.
6. Kostenwertli.
Die Summe an Arbeit und Mühe, Gefahren und Opfern an Lebenskraft,welche zur Erstellung eines Gutes aufgewandt werden muss, heisst seinKostenwerth. Hierbei ist es einerlei, ob die Rohmaterialien durch einfacheBesitzergreifung gewonnen werden und der künftige Benützer des Gutes auchgleichzeitig Erzeuger ist, oder ob die einzelnen Elemente, aus denen sich dasGut erstellt, gegen Entschädigung von Anderen geschaffen werden, dennschliesslich ist der Ursprung der gegebenen Entschädigungen immer in derArbeit ihres Erstellers zu suchen.
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