10
II. Abschnitt. Begriff und Arten des Werthes. I. Werth.
Nachdem nun „die Planmässigkeit jeder vernünftigen Wirthschaft daraufgerichtet ist, mit den kleinstmöglichen Opfern an Lebenslust und Lebenskraftdie grösstmögliche Befriedigung der Lebensbedürfnisse zu erlangen: so mussanch ein Adam oder Robinson bei seiner Wirthschaft nicht bloss auf das-jenige achten, was die zu erwerbenden Güter leisten (Gebrauchswerth), sondernauch auf dasjenige, was sie kosten werden (Kostenwerth).“ (Roscher.)
Gebrauchswerth und Kostenwerth müssen zu einander in einem Ver-hältnisse stehen, dessen Quotient gleich oder grösser als 1 ist, wenn der vor-citirte nationalökonomische Grundsatz erfüllt sein soll.
Ist z. B. ein Trinkgefass aus Holz in zwei Arbeitsstunden erstellt,während ein solches aus Stein zwei Arbeitstage erheischt, so ist bei ersteremdas Verhältniss zwischen Gebrauchswerth und Kostenwerth ein günstigeresals, bei letzterem, denn die Gebrauchswerthe der beiden Trinkgefasse sindnicht viel von einander verschieden, während die Kostenwerthe grosse Unter-schiede zeigen, die Brauchbarkeit aber bei beiden ebenfalls ziemlich gleich ist.
7 . Tausch werth.
(Tauschkraft nach Böhm v. Bawerk.)
„Der Tauschwerth eines Gutes, oder seine Bedeutung für den Zweck,gegen andere Güter umgetauscht zu werden, beruht auf einer Combinationdes Gebrauchswerthes mit dem Kostenwerthe, wie die Menschen sie im Ver-kehr unter einander vornehmen.“ (Roscher.)
Ohne Gebrauchswerth ist ein Tauschwerth unmöglich. Der Gebrauchs-werth muss mindestens in absehbarer Zeit eintreten. Niemand wird eineSache eintauschen, die er nicht entweder sofort oder in absehbarer Zeit ge-brauchen kann. Es ist nach dem, was über den Gebrauchs werth gesagt wurde,selbstredend, dass einzelne Güter keinen Tauschwerth haben können, weil siein überflüssiger Menge vorhanden sind, z. B. „das Trinkwasser in manchenGegenden, das Eis im Winter, das Holz in manchen Urwäldern.“ (Roscher.)
Bei entwickelter Wirthschaft wird der Tauschwerth dem Gebrauchswerthnahezu gleich sein und der Kostenwerth wieder wenig unter dem Gebrauchs-werth liegen. Es wird nämlich Niemand für eine Sache mehr im Tauschwegegeben, als sie für ihn Gebrauchswerth besitzt. Andererseits würde derErsteller der zu tauschenden Sache ganz unwirthschaftlich verfahren, wenner seine Arbeit an solche Dinge wenden wollte, deren Gebrauchswerth geringerist als ihr Kostenwerth. Im Tauschverkehr mit rohen Völkern gelangen oftGüter von geringem Kostenwerthe zum Austausch gegen Güter von hohemGebrauchswerthe. Allein diese letzteren erhalten den Gebrau chswerth erst inihrer Beziehung zur Person des neuen Besitzers ebenso wie die Güter vongeringerem Kostenwerthe den hohen Gebrauchswerth auch erst durch denWechsel des Besitzers erhalten. Wir kommen auf diese Wechselbeziehungenzurück.