12 II. Abschnitt. Begriff und Arten des Werthes. II. Entwickelung.
zeitlebens Instrumente an, die er, wenn er ein gutes Auge hat, persönlich nieverwendet.“
„Der Tausch hat zu jeder Zeit bestanden, aber in engeren oder weiterenSchranken. Der Tausch ist eine jener grossen instinktiven Thatsachen, diekein Mensch erfunden hat, ähnlich wie die Sprache, die Vereinigung und dieGliederung nach Stämmen und Gesellschaften. Niemand kann sich rühmen,Erfinder des Tausches, der Sprache und der Vereinigung zu sein. DerMensch ist geboren mit einer natürlichen Anlage für den Tausch.“
So vorbereitend entwickelt Leroy-Beaulieu die Ursachen des Tauschesund definirt den Begriff Werth wie folgt:
„Den Maassstab für die verschiedenen Tauschoperationen bildet derWerth, welcher Begriff im menschlichen Geiste anfänglich nur in unbestimmterWeise haftete, dann aber allmählich sich verschärft hat. Werth ist dieEigenschaft eines Gegenstandes, vermöge deren derselbe gegen
einen anderen ausgetauscht werden kann. Der AVerth ist nie
absolut gleichbleibend; er ändert sich je nach den äusseren Umständen.“
Leroy-Beaulieu fragt nun nach den Gründen, die den AVerth bestimmen,und kommt zu folgender Erkenntniss:
„Damit eine Sache einen AVerth habe, ist vor Allem nöthig, dass sie demAVunsche eines Menschen entspreche, dass es ferner einige Anstrengungkoste, dieselbe zu erwerben und endlich, dass der Genuss der Sache voneiner Person auf eine andere übertragen werden kann. Es ist nicht nöthig,dass alle Menschen sie zu besitzen wünschen, es genügt, wenn nur einigeGeschmack daran finden. Alan wünscht sich einen Gegenstand, entwederweil er nützlich ist, wie Brod, Fleisch, Kleider oder auch nur, weil er an-genehm ist und eine Laune, eine Eitelkeit befriedigt, so Diamanten, Spitzen,ein Gemälde, eine Rarität, oder weil er endlich einem besonderen Gefühlegenügt, z. B. der Erinnerung. Die Uebereinstimmung mit dem Wunscheeines Menschen' ist daher die erste Grundlage des AVerthes, die Möglichkeit,den Gegenstand des Wunsches von einer Person auf eine andere zu über-tragen, die zweite. Die Gesundheit ist ein grosses Gut, ja das grösste Gutund ist für die Person, welche sich derselben erfreut, eine Quelle vielerVortheile und Annehmlichkeiten; aber da sie nicht übertragbar ist aufPersonen, die derselben ermangeln, so kann sie nicht Gegenstand einesTausches sein und hat also im strengen volkswirthschaftlichen Sinne keinenAV erth.
Die Schwierigkeit des Erwerbes ist die dritte Bedingung. AVenn eineSache, so wünschenswerth sie auch ist, von der Natur so freigebig gespendetwird, dass sie Jedem zur Verfügung steht, so hat sie keinen AVerth, so dieLuft, die wir athmen, oder das Sonnenlicht.
Mehrere Schriftsteller legen das Hauptgewicht auf die Nützlichkeit derSache, indem sie diesem Prädicat mehr Bedeutung beilegen als der Wünsch-