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Band II.
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36 III. Abschnitt. Begriff und Arten der Preise. II. Begriff und Wesen.

Kaufmann den Markt so weit kennen muss, dass er mit annähernder Sicherheit voraus-bestimmen kann, wie weit die Beschickung möglich ist. Die Beschickung wird dannimmer so regulirt werden, dass der wahre Preis niemals kleiner ist als der Kostenwerthdes Gutes. Doch sind Ausnahmen hiervon jedenfalls möglich.

Nun spricht Stein aber nicht von einer Waarengattung (Gütergattung), sondern vonder Gesammtheit aller Güter und ferner nicht von dem Preise der Einheit einer Güter-gattung, sondern von dem Preise einer Gütereinheit im Allgemeinen. Zu diesem Preisegelangt man (immer unser isolirtes, engbegrenztes Gebiet und den einzigen Markttag imAuge behaltend und die genaue Kenntniss der Geld- und Gütermengen vorausgesetzt),indem man die „Güter auf gleiche Einheit des Edelmetalles“ reducirt. Wie dieseReduction geschehen soll, ist leider nicht gesagt, ist aber auch überflüssig, weil derwahre Preis ja doch immerhin nur ein idealer Begriff ist, aber wir können annehmen,dass die Gestehungskosten am Orte einen Reductionsmaassstab geben, dass also z. B.irgend ein Gegenstand für seine Erstellung und Transportirung auf den Markt an Roh-material, Arbeitslohn, Transportkosten etc. a. Geldeinheiten gekostet habe. Alle dieseKostenwerthe zusammen ergeben sonach eine Summe, die, in die Summe der zu veraus-gabenden Geldeinheiten dividirt, den wahren Preis ergiebt.

Wir wenden uns nun zu dem Begriffe des wirklichen Preises.

Hier zeigen Stein's Ausführungen nun einige Stilmängel, die leicht zu einer unlös-baren Verwirrung führen könnten.

In dem vorstehend gegebenen Oitate heisst es: „Denke ich mir die Gesammtheitaller dieser Güter, in ihre Gütereinheiten aufgelöst, diesem Gelde und seinen Einheitengegenüber, und die wirklich vorhandenen Geldeinheiten mit*) der Summe der wirklichvorhandenen Gütereinheiten dividirt, so entsteht der Preis, der, wenn jene Division aufvoller Kenntniss der beiden Pactoren beruht, zum wahren Preise der Gütereinheit wird.Der Process, durchweichen jene Division vollzogen wird, nennen wir die Preisbildung.Da nun diese Bildung des Preises von der wirklichen Vertheilung der beiden Pactoren,der Güter und des Geldes, abhängt, so entsteht durch diese Preisbildung der wirklichePreis, der mithin von dem wahren Preise stets verschieden sein muss.“

Unglücklicher konnte der Nachsatz kaum stilisirt sein. Vor Allem kommt man zuder Auffassung, dass der wirkliche Preis dadurch entsteht, dass Gütereinheiten undGeldeinheiten auf mehrere Orte vertheilt, aber für jeden Ort genau bekannt sind. DieseAuffassung führt zu folgender Ausgestaltung unseres Beispieles.

Denken wir uns auf dem isolirten Gebiete am gleichen Tage zwei Märkte, die aberunter einander nicht im Verkehr stehen, so kann ganz gut der eine Markt verhältniss-mässig reicher mit Geld, der andere reicher mit Gütern dotirt sein. Hier geben danndie beiden unter den vorigen Annahmen erstellten Divisionen den wirklichen Preis.An keinem der Märkte für sich entsteht der wahre Preis, wenn er auch als solcher durchaussen Stehende berechnet werden kann.

Nun lesen wir aber weiter unten in den Ausführungen Stein’s:

„Wenn es daher eine Wissenschaft des Preises giebt, so kann dieselbe nur zu ihremInhalte haben, zu zeigen, wie der wahre und damit unbekannte Preis durch einenselbstständigen, niemals ruhenden Lebensprocess vermöge der Momente von Maass undArt zum wirklichen und damit bekannten Preise der Güter wird.“

Der wahre Preis nach unserer früheren Auslegnng ist ebenso bekannt wie der wirk-liche Preis, wenn auch nicht immer für dieselbe Person; allerdings beide nur dann, wenn

*) Zwei Zahlen werden in einander oder durch einander, aber nicht miteinander dividirt. Dadurch ersteht in obigem Palle eine Unklarheit, die sich aber beieinigem Nachdenken löst.