III. Abschnitt. Begriff und. Arten der Preise. II. Begriff und Wesen. 37
unsere beschränkenden Annahmen gelten. Fallen diese, dann sind beide Preise ideale,niemals zu fixierende Grössen.
Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen aber sagt Stein:
„Es giebt eine Vertheilung von Gut und Geld nach Zeit und Ort, und damit einejeden Tag sich vollziehende wirkliche Division der Güter durch *) das für sie örtlichund zeitlich vorhandene Geld. Diesen Process, insofern er auf einer Berechnung oderSchätzung der Quantität und der Vertheilung jener beiden Factoren beruht, nennen■wir die Preisbildung und das Facit derselben für jedes Gütermaass den wirk-lichen Preis.“
Nun allerdings liegt die Sache anders.
Der wirkliche Preis entsteht demnach auf dieselbe Art wie der wahre Preis,allein die zur Division verwendeten Ziffern sind nicht mehr durch factische Zählungerhoben, sondern durch Schätzung ermittelt. Hier ist demnachZahl der geschätzten GeldeinheitenZahl der geschätzten Gütereinheiten
der wirkliche Preis der Gütereinheit. Dieser so erhobene wirkliche Werth bildet sichauf jedem streng isolirten Markte anders als auf den durch regen Verkehr verbundenenMärkten und wird sich dem wahren Preise um so mehr nähern, je genauer die Schätzungmöglich ist. Die in obigem Oitat gewählte Bezeichnung „Berechnung“ ist nicht im Sinneeiner mathematischen Berechnung, sondern als intensive berechnende Schätzung aufzufassen.
2. Die Preisbildung.
„Es ist überflüssig, zu untersuchen, warum Geld und Gut die Momente der Artund des Maasses besitzen und beständig auf’s Neue erzeugen; allein setze ich sie derVerschiedenheit der wirklichen Bedürfnisse gegenüber, so entsteht der Begriff der Ver-theilung von Gut und Geld, indem Art und Maass wieder die Kategorien von Zeitund Raum in sich aufnehmen, was sich bei Gut und Geld so gut vollzieht wie bei allenanderen Dingen. Demgemäss giebt es eine Vertheilung von Gut und Geld nach Zeitund Ort und damit eine jeden Tag sich vollziehende wirkliche Division der Güterdurch**) das für sie örtlich und zeitlich vorhandene Geld. Diesen Process, insofern erauf einer Berechnung oder Schätzung der Quantität und der Vertheilung jener beidenFactoren beruht, nennen wir die Preisbildung und das Facit derselben für jedes Güter-maass den wirklichen Preis.“
„Die erste Voraussetzung aller Preisbildung ist nun immer die Messung einerseitsder Summe der Gütereinheiten, anderseits der Geldmasse. Um Beide aber gegenseitigzu bestimmen, damit der Preis zur Erscheinung komme, bedarf es eines, durch dieTransportverhältnisse der natürlichen Bänderbildung gegebenen Ortes, und dieser Ort istdie Stadt. Jede Stadt ist an demjenigen Orte naturgemäss entstanden, wo sich Güterund Geld mit den geringsten Kosten und der grössten Sicherheit am leichtesten begegnen.Daher entsteht an einem solchen, geographisch gegebenen Orte, an welchem jene Preis-bildung ihre natürlichen Voraussetzungen findet, eine Stadt; der Wille der Menschengründet keine Städte; es ist die Natur der Verkehrslinie, welche sie hervorruft. Sindsie aber angelegt, so tritt das persönliche Moment hinzu, und mit ihm beginnt innerhalbder Stadt der Process jener Messung, welche alsdann Berechnung heisst. Diese schafftsich langsam Anfangs, stets unentwickelt, aber stets nothwendig in seinen Elementenvorhanden, innerhalb der Städte ihre preisbildenden Organismen, den Markt und dieBörse. Der Markt ist der Ort, an welchem sich die Güter sammeln, um ihren Preis zu
*) Soll selbstredend heissen: in.
**) Soll heissen: in.