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Erster Abschnitt.
Frühere Reisende unter den neuern geben von erhaltenen Denkmälernin dem weiten Striche des Delta so viel als keine Nachrichten, und dieseGegenden scheinen mehr als die obern Lande Aegyptens der Zerstörung un-terworfen gewesen zu seyn. Selbst die Nilarme sind nicht mehr dieselben,wie in der alten Zeit. Das Wasserbausystem litt eben so viel, als die vielenmit Prachtdenkmälern erfüllten Städte. Von dem See Mareotis sieht mankaum den Umfang, und von dem Kanal nach dem rothen Meere haben erstdie Franzosen neulich die Spuren seines ehemaligen Laufes wieder aufgefun-den. Sehr bedauern wir, dafs bis zur Zeit die lezte Lieferung des grofsenfranzösischen AVerkes, welches von Memphis abwärts die Zeichnungen undNachrichten in sich begreifen soll, noch nicht erschienen ist. Ohne Zweifelwird diese zu erwartende Lieferung noch vieles und wichtiges lehren. NachW. Hamilton giebt es im Delta noch Plätze mit sehr bedeutenden Ruinen.
Die vornehmsten Orte, wo ehedem merkwürdige Denkmäler vorhan-den waren, sind folgende:
l. Sais: Diese Stadt, deren Lage man bis iezt noch nicht zu kennenscheint, hatte eine prachtvolle Residenz (Herod. 2, 63.) und ein berühmtesHeiligthum der Minerva . In dem Vorhofe des leztern sah man neben denGrabmälern anderer Saitischen Könige auch das Monument von Amasis , dasin einem grofsen Bau bestand, mit Säulen in der Form von Palmbäumen.* Ander Hinterseite des Tempels war das Grabmal des Osiris, und dies giebt zuerkennen, warum die Könige in dem Tempclraume ihre Denkmäler zu ha-ben wünschten. Grofse steinerne Obelisken zierten das Heiligthum, und eingrofser heiliger Teich mit einer Quadereinfassung lag dabei. Die Vorbauedes Tempels, welche Amasis errichten liefs, übertrafen an Höhe und-Prachtalle übrigen im Lande, und mächtige Colossen und überaus grofse Sphinxenwaren davor aufgestellt. Unter diesen Massen zeigte sich als vorzüglich merk-würdig eine Kapelle aus Einem Stein, die in der Insel Elephantina ausgehauenhieher versezt ward. Auswendig mafs sie in der Länge 21, in der Breite 14,u*d in der Höhe 8 Ellen; inwendig in der Länge 18 Ellen und 20 Finger,in der Breite 12 und in der Höhe 5 Ellen. Diese Kapelle blieb an dem Ein-gänge des Tempels stehen, obwohl sie vom Könige bestimmt gewesen zu seynscheint, das Allerheiligste zu zieren und die Tempelstatue der Göttin aufzu-nehmen, wie andere ähnliche Monolithen, die iezt noch in einigen Tempel-ruinen vorhanden sind. Es scheint kaum möglich, dafs man nicht noch Spu-