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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

Grundsätzen, wie die Pythographie überhaupt, beruht, aber außer den Formenund (wo es möglich ist) dem innern Baue der in verschiedenen Gcbirgsarteneingeschlossenen Pflanzenüberreste auch die Verhältnisse jener untergegangenenGewächse zur Vegetation der Jetztwelt darzulegen versucht.

L. Die Verbreitungslehre, die Betrachtung der Pflanzen nach ihremräumlichen und zeitlichen Verhältnisse zur Erde. Sie umfaßt:

4. Die Pflanzengeographie, die Lehre von den Ortsverhältnissen derPflanzen, welche aus der nahen Beziehung derselben zur Erdoberfläche und derverschiedenen Beschaffenheit der letzter» hervorgehen.

5) Die Pflanz engeschichte, die Lehre von den Veränderungen, welchedie Pflanzenwelt auf unserer Erde von ihrer Entstehung bis zur Jetztzeit in ihrerAusbildung und in ihren Ortsverhältnissen erlitten hat.

Die Phytonomie begreift folgende Zweige in sich:

6) Die Gestaltlehre, Formenlehre oder Morphologie, die Be-trachtung der Organe der Pflanze nach ihren verschiedenen Verhältnissen, sowohlim Einzelnen als auch in ihrem Zusammenhange, in ihren Uebergängen und denmannigfachen Umänderungen ihrer Formen, um daraus das Wesen und diewahre Bedeutung der Organe nachzuweisen. Der Gestaltlehre schließt sich, zumTheil als ergänzende Doctrin, innig au: Die Lehre von den regelwidrigen Bil-dungen der Organe oder die Teratologie der Pflanzen.

7) Die Zergliederungslehre, Pflanzenanatomie oder Phyto-tomie, die Erforschung des innern Baues der Pflanzen durch Darlegung ihrerElementarorgane und deren Verbindung unter einander, so wie der in den Ge-weben vorkommenden chemischen Bestandtheile, so weit diese sich bei der Zer-gliederung unter dem Mikroskop erkennen und nachweisen lassen, wodurch dieseLehre in das Gebiet der Chemie übergreift. Sofern sie sich nur mit Darle-gung der Formabänderungen der Elementarorgane befaßt, wird sie auch wohlals Histologie bezeichnet und dann öfters noch als ein Theil der Gestalt-lehre betrachtet, welche überhaupt zur Erklärung mancher Verhältnisse der Or-gane zu der Phytotomie und Biologie ihre Zuflucht nehmen muß.

8) Die Lebenslehre oder Biologie, die Ergründung der organischenThätigkeiten, welche sich im Leben der Pflanze kund geben. Sie begreift haupt-sächlich die Pflanzenphysiologie oder die Lehre von den Verrichtungen derOrgane und der Lebensthätigkeit der Pflanze im gesunden und normalen Zu-stande. Als Hilfswissenschaften gehören dazu die Physik und Chemie,so weit sie die Erklärung über die Bewegung der Säfte, über die Erzeugungund Umänderung der Stosse und überhaupt über die physikalischen und chemi-schen Processe in der Pflanze zu geben haben. Die Krankheitslehre oderPflanzenpathologie, welche die Lebenserscheinungen der Pflanze im ab-normen oder gestörten Zustande betrachtet, schließt sich zwar der Physiologienahe an, gehört aber theils mehr zur Teratologie, theils schlägt sie, nebst derHeilkunde oder Pflanzentherapie, mehr in das Gebiet der Landwirth-schaftslehre ein.

Je nach der verschiedenen Ausdehnung, in welcher die sämmtlichen Zweigeaufgefaßt werden, läßt sich die Pflanzenkunde auch unterscheiden als: allge-meine Botanik, so weit sich dieselbe über das Pflanzenreich im Allgemeinenverbreitet, ohne auf die nähere Betrachtung der einzelnen Pflanzen einzugehen,und specielleBvtanik, so fern ihre verschiedenen Zweige, zumal aber die derPhytognosie, auf die einzelnen Pflanzen oder Pflanzengruppcn bezogen werden.Von einem andern Gesichtspunkte ans wurden auch schon als zwei Haupttheile derPflanzenkunde angenommen: die reine Botanik, wenn sie die Pflanzen an