Allgemein - Geschichtliches.
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und für sich betrachtet, ohne Rücksicht auf ihre Nutzbarkeit für den menschlichenHaushalt zu nehmen, — und die angewandte Botanik, wenn sie die Pflanzenmit Hinweisung auf die verschiedeneBenutzung für das menschliche Leben kennen lehrt.Die" letztere kann jedoch eigentlich nicht als ein besonderer Zweig der Pflanzen-kunde gelten, sondern gehört, je nachdem sie die zu einem gewissen Zwecke be-nutzten und benutzbaren Pflanzen behandelt, zu anderen Wissenschaften, nämlichdie ökonomische Botanik in die Landwirthschaftslehre, die Forstbotanik indie Forstwirthschaftslehre, die technische Botanik in die Technologie, diemedicinische und pharmaceutische Botanik als Hilfswissenschaft zurArzneimittellehre.
Den Rahmen der botanischen Fächer bildet endlich die Geschichte derBotanik, welche uns über die Anfänge der Pflanzenkunde und ihre Fortschrittebis aus die neueste Zeit Nachricht gibt und uns, zugleich mit der Literatur, dieMänner kennen lehrt, deren Wirken auf den Gang der Wissenschaft von Ein-fluß war.
Dem Plane des vorliegenden Werkes gemäß soll hier die Botanik selbstnach ihren Grundlchrcn im historischen Gewände aufgeführt werden, wobei je-doch der vorgeschriebene Raum nur die Hauptumriffe zu geben gestattet.
In der frühesten Geschichte der Völker findet sich durch einen langen Zeit-raum keine Spur einer wissenschaftlichen Erforschung des Pflanzenreiches; wirlesen in den ältesten Ueberlieferungen nur Namen von Gewächsen, welche durchihren Nutzen oder Schaden oder durch auffallende Formen die Aufmerksamkeiterregten, oder die bei religiösen Gebräuchen oder im Mythus eine Rolle spiel-ten. Der erste Grund zur wissenschaftlichen Botanik wurde im vierten Jahrhun-derte vor Christi Geburt gelegt, und zwar von Aristoteles, einem der berühmte-sten Gelehrten Griechenland's, im Jahre 384 v. Chr. zu Stagira in Macedoniengeboren, woher er den Namen der Stagirit erhielt. Dieser, ein Schüler Pla-ron's, später der Erzieher Alexanders des Großen und Stifter der peripateti-schen Schule, welcher über seine Zeitgenossen in allen Zweigen des menschlichenWissens hervorragte, dieselben erweiterte und ordnete, schrieb auch das ersteWerk über die Naturlehre der Pflanzen, von ihm „Theorie der Pflanzen" ge-nannt. Dieses, so wie seine übrigen Schriften über die Pflanzen, von welchener in seinen bis auf uns gekommenen Werken spricht, hatte er nicht veröffent-licht, und sie gingen alle früh verloren. Ihm selbst erging es, wie so manchenanderen ausgezeichneten Männern Griechenland's; er mußte Athen, wo er seineSchule der Philosophie errichtet hatte, verlassen, um einer Anklage wegen Got-tesläugnung zu entgehen, und flüchtete sich mit seinen meisten Schülern nachChalcis aus Enböa, wo er im Jahre 322 v. Chr. starb. Seine Schriften undseine Lehren gingen jedoch auf seinen Lieblingsschüler Theophrastus vonEresusüber, welcher vom Jahre 371 bis 286 v. Chr. lebte. Dieser übernahm nachder Flucht des Aristoteles nach Chalcis die verlassene Schule, lehrte mitallem Eifer und dem glücklichsten Erfolge, und erwarb sich in Athen ein gro-ßes Ansehen. Doch schützte ihn dieses auch nicht vor der Verbannung (imJahre 306 v. Chr.), aus welcher er aber nach einigen Jahren wieder zurückge-rufen wurde. Von seinen zahlreichen Schriften über alle Gegenstände des mensch-lichen Wissens sind zwei größere botanische Werke, eine „Naturgeschichte" undeine „Naturlchre der Pflanzen," bis auf uns gekommen, deren Vcrglcichnngmit den noch übrigen ächten aristotelischen Schriften die Ueberzeugung gewährt,Laß dieselben ganz im Geiste seines großen Lehrers verfaßt find und wir daraus