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Botanik.
Bischof von Regensburg im Jahr 1280) mit außerordentlichem Beifalle diePhilosophie des Aristoteles lehrte, über alle Werke dieses Meisters Erläuterungenund unter diesen auch sieben Bücher „von den Pflanzen" schrieb, worin er vieleeigene Beobachtungen und Gedanken mittheilte. Von diesem ächten Pflanzen-werke des großen, nach seinem Tode unter die Heiligen versetzten Gelehrtenhaben sich nur einige Handschriften und fehlerhafte Abdrücke erhalten, währendmanche elende Machwerke geistloser Sudler unter seinem Namen verkauft wur-den, wodurch sich selbst große Literatoren vom Fach täuschen und zu einemungerechten Urtheile über diesen achtbaren Schriftsteller verleiten ließen.
So ging auch dieser zweite Aufschwung der Wissenschaft ohne gedeihlichenErfolg für die Botanik vorüber, welche erst vom Ende des vierzehnten Jahr-hunderts an, bei dem Wiedererwachen des Studiums der griechischen und alt-römischen Literatur in Italien, allmählig zu neuem Leben angeregt wurde, jedoch,da sie nur als Dienerin der Medicin Beachtung fand, nicht in demselben Gradewie viele andere Wissenschaften voranschritt. Im fünfzehnten Jahrhunderteerhielt zwar auch die Pflanzenkunde durch die Erfindung der Buchdruckerkunst,und mehr noch durch die der Holzschneide- und Kupferstecherkunst, die Mittel zurascherer Entwickelung, weil man nun mit Hilfe von Abbildungen sich über Pflanzendeutlicher ausdrücken konnte, als durch bloße Worte, aber diese Hilfsmittel wurdendoch noch in diesem und im Anfange des folgenden Jahrhunderts fast ganzvernachläßigt, indem man sich immer noch zu sehr mit der kritischen Erklärung-der älteren Werke, anstatt mit der Beobachtung der Natur selbst, beschäftigte.
Diesen einzig richtigen Weg der Naturbeobachtung betraten im sechzehntenJahrhunderte die sogenannten Väter der Botanik, welche meist deutsche Schul-lehrer und Aerzte waren. Als die drei Ersten, welche ihren Werken treue,nach der Natur gefertigte Abbildungen beigaben und dadurch die Kenntniß derPflanzen weit mehr beförderten, als alle ihre Vorgänger seit zweitausend Jahren,sind zu nennen: Otto Brunfels aus Mainz, zuerst Carthäusermönch, dannSchullehrer in Straßburg und zuletzt Arzt in Bern, wo er im Jahre 1534starb; Hieronymus Bock, auch Tragus genannt, zu Breiten, dem GeburtsorteMelanchthon's, (im Jahre 1498) geboren, Schullehrer zu Zweibrücken undAufseher des herzoglichen Gartens, später Prediger und Arzt zu Hornbach,hierauf Arzt des Grafen von Nassau in Saarbrücken, im Jahre 1554 in Hornbachgestorben; Leonhard Fuchs, zu Wembdingen in Schwaben im Jahre 1501geboren, ebenfalls zuerst Schullehrer, dann zweimal Professor in Jngolstadt(in den Jahren 1521 —1526) und in der Zwischenzeit in Ansbach, endlich inTübingen, wo er im Jahre 1565 starb. — Jetzt erkannte man, daß nur aufdem von diesen Männern eingeschlagenen Wege aus dem Studium der Pflanzenin der Natur selbst der Botanik Nutzen und Gewinn erwachsen könne, und estrat ein Wetteifer des Forschens und Entdeckens ein, der jeder Mühe undGefahr trotzte, aber auch seine reichen Früchte trug. Außer den drei Genanntenmachten sich in dieser Zeit und bis gegen das Ende des Jahrhunderts nochmanche tüchtige Beobachter und Gelehrte um die Botanik verdient, von denenwir aus den Ländern deutscher Zunge beispielsweise nur die beiden Cordus,Vater und Sohn — der Erstere ein Hesse, Anfangs Schullehrer, dann Professorin Erfurt und Marburg, endlich Arzt in Bremen (gest. 1535)', der Andere zuErfurt (1515) geboren und zu Rom schon in seinem 29. Jahre (1544) ge-storben —, Konrad Gesner, aus Zürich (von 1516 —1565 lebend), einender eifrigsten Naturforscher seiner Zeit, sowie Joachim Camerarius, Arztin Nürnberg (geb. 1534, gest. 1598) und Jakob Theodor von Bergzabern,bekannter unter dem Namen Tabernämontanus, einen Schüler des Hieron.