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Botanik.
auffinden lassen, befreien konnten, endlich weil außer Cesalpini, von welchemspäter noch die Rede sein wird, Keiner an eine systematische Anordnung derbeschriebenen Pflanzen dachte. Indessen geschah in diesem Zeitraume doch auchviel für die Kenntniß außereuropäischer Pflanzen durch mehrere reisende Natur-forscher, wie durch den Franzosen Pierre Bellon aus Mans, den PreußenMelchior Wieland, später als Professor in Padua unter dem Namen Gui-landinus bekannt, den Angsburger Leonhard Rauwolf, welche Alle dasMorgenland bereisten, und den Venetianer Prosper Alpinus, welcherAegypten besuchte. Hauptsächlich hatte sich durch die kurz vor dem Ansaugedieses Jahrhunderts erfolgte Entdeckung von Amerika für die Naturforschung einneues, weites Gebiet eröffnet, und über die reichen Schätze der dortigen Pflanzen-weit gaben der spanische Statthalter in Hispaniola, Gonzalo HernandezOviedo de Valdes (im Jahre 1525) und Andere, bis auf Nie. Monardes,Professor in Sevilla (im Jahre 1580) und den Arzt Francisco Hernandez(von 1593—1600) schon manche wichtige Nachrichten. Dazu kamen noch, alsgroße Beförderungsmittel der Pflanzenkenntniß, die botanischen Gärten, welchein verschiedenen Ländern Europa's, meist unter dem Namen von medicinischenGärten, dort! meäioi, angelegt wurden, zuerst in Italien, etwas später in derSchweiz, in Deutschland, wo der wichtigste jener des oben genannten JoachimCamerarius in Nürnberg war, in den Niederlanden, in Frankreich undEngland.
Im flebenzehnten Jahrhunderte wurde durch die mit gleichem Eifer fortgesetztenBeobachtungen und Entdeckungen im In- und Auslande die specielle Pflanzen-kunde immer mehr erweitert. Man fing nicht nur an, sich mit der fleißigernDurchforschung einzelner Gegenden in Mittel- und Südeuropa zu beschäftigen undderen Pflanzen in Special-Floren zu beschreiben, so wie die in den immer zahl-reicher werdenden botanischen Gärten gezogenen Gewächse bekannt zu machen,wie dieses namentlich in Deutschland unter Anderen durch Ludwig Jungermannfür die Altdorfer (1615) und die Gießener (1623), durch Philipp und AlbertMenzel für die Jngolftädter (1618), durch Johann Löset für die preußischeFlora (1654), durch Besler hinsichtlich des Gartens zu Eichstädt (1613), durchPeter Lauremberg in Bezug auf die um Rostock einheimischen und von ihmcnltivirten ausländischen zwiebel- und knollentragenden Pflanzen (1633) geschah,sondern auch im höhern Norden von Europa erwachte der Eifer für die Botanik.Das erste Verzeichniß von in Skandinavien gesammelten Pflanzen gab Georg.Fuiren, Arzt zu Kopenhagen (von 1581—1628 lebend), die erste Flora vonDänemark schrieb aber (1648) Simon Paulli, aus Rostock, Professor undkönigl. Leibarzt zu Kopenhagen; über die Pflanzen Jsland's, neben denen vonDänemark und Norwegen, gab Peter Kylling Nachricht; selbst von den Pflan-zen auf Spitzbergen theilte der Hamburger Wundarzt Friedrich Mariensin seiner „spitzbergischen oder grönländischen Reisebeschreibung" (1675) ein Ver-zeichniß nebst Abbildungen mit, während in Schweden nur ein Verzeichniß derum Gothenburg wachsenden Pflanzen, und zwar erst gegen den Schluß des Jahr-hunderts (im Jahr 1694), von einem dortigen Arzte, Olaus Bromelius,gegeben wurde. England, im vorigen Jahrhunderte an Botanikern noch sehr arm,besaß jetzt die fleißigsten Phytographen, unter welchen Robert Morison,Professor in Oxford (geb. 1620, gest. 1680), John Ray oder Rajus, einGeistlicher in der Grafschaft Essex (von 1628—1705 lebend), Leonhard Pluk-net, Vorsteher der königlichen Gärten (geb. 1642, gest. 1706), und JakobPetiver, Apotheker in London (gest. 1718), die berühmtesten waren. In Frank-reich machten sich hauptsächlich Pierre Richer de Bellevalle, Gründer und