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Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
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Botanik.

welcher die Anlagen des Jünglings nnd dessen aufstrebenden Geist wohl erkannthatte und der den Vater zu überreden wußte, daß er ihn seiner Neigung zur Na-turkunde nachleben ließ, wobei dieser wackere Mann ihn durch Mittheilung vonbotanischen Schriften zu einem mehr geordneten Studium des Pflanzenreiches hin-zuleiten suchte, verdankte es Linns, daß er den Schulbesuch fortsetzen und inseinem 21. Jahre die Universiät zu Lund und dann (1728) zu Upsala besuchen ,konnte, um Medicin und Naturkunde zu studiren. Hier machte er unter derLeitung ausgezeichneter Lehrer so erfreuliche Fortschritte, daß ihm in seinem 25.

Jahre von der schwedischen Akademie der Wissenschaften der Auftrag wurde, einenaturhistorische Reise nach Lappland zu unternehmen, die er in nicht mehr als 6 Mo-naten (von Mai bis November 1732) vollbrachte und deren Ergebnisse er zumTheile noch in demselben Jahre bekannt machte. Hierauf verweilte er einige Zeitin Fahlun, um sich mit Mineralogie zu beschäftigen, reiste dann, von seinerVerlobten mit dem nöthigen Reisegelde versehen, nach Holland, erwarb sich inHarderwyk (im Jahre 1735) die Doctorwürde und bekam, nachdem er sich nocheinige Zeit in Leyden und Amsterdam aufgehalten, die Aufsicht über den reichenCliffort'schen Garten in Hartecamp. Während seines zweijährigen Aufenthal-tes daselbst arbeitete er 9 Werke, fast alle botanischen Inhaltes, ans, worin erschon großentheils seine Grundsätze niederlegte, welche die neue Grundlage dergesammten Naturgeschichte werden sollten. Nach einem kurzen Besuche in Eng-land kehrte Linus über Paris und Göttingen, wo damals Albrecht vonHaller gleich berühmt als Botaniker, Anatom und Dichter lehrte, nachseinem Vaterlande zurück, wo ihn aber seine Verhältnisse nöthigten, eine An-stellung als Schiffsarzt bei der schwedischen Flotte anzunehmen, da das Aner- ^bieten Haller's, ihm seine eigene Lehrstelle an der Universität Göttingen zuüberlassen, nicht zeitig genug eingetroffen war. Er wurde jedoch schon imJahre 1739 jenes ihm unangenehmen Amtes enthoben und mit dem Titel einesköniglichen Botanikers zum Präsidenten der Stockholmer Akademie der Wissen-schaften ernannt. Zwei Jahre später erhielt er die Professur der Medicin undAnatomie in Upsala, trat diese aber imJahre 1742 an Professor Rossn ab, umvon diesem die Professur der Botanik, nebst der Aufsicht über den botanischenGarten zu übernehmen, welche Aemter er 36 Jahre lang bis zu seinem Tode(im Jahre 1778) bekleidete, mit rastlosem Eifer für die Erweiterung und denFortschritt seiner Lieblingswissenschaft wirkend.

Ausführlicher ist die Geschichte der Botanik in folgenden Schriften abgehan-delt:Kurt Sprengel's Geschichte der Botanik." In zwei Theilen. Alten-burg und Leipzig. 1817 und 1818. (8). Der erste Theil mit 8 color. Kupfern.

I. A. Schult es, Grundriß einer Geschichte und Literatur der Botanik,von Theophrastos Eresios bis auf die neuesten Zeiten; nebst einer Geschichteder botanischen Gärten." Wien, 1817. (8). Fortgeführt bis znm Jahre1838 ist die Geschichte der Botanik in G. W. Bischoff's, Lehrb. der allgem.

Botanik; dritte Abtheil. S. 418810.

Da von Linus an die verschiedenen Zweige der Botanik schärfer ausge-prägt erscheinen, und manche derselben mehr selbstständig und von den anderenunabhängig sich ausbilden, so wird es für die Einsicht in die vorschreitende Ent-wickelung der gesammten Botanik förderlicher sein, von da an die einzelnen Zweigenach einander zu betrachten, und War in der im Eingänge aufgezählten Reihen-folge, welche, mit wenigen Ausnahmen, ungefähr dieselbe ist, in welcher sie imLaufe der Zeit mit- und nacheinander zu ihrer wettern Ausbildung gelangten.