Buch 
Die Botanik in ihren Grundbegriffen mit Rücksicht auf ihre historische Entwicklung / von Dr. Gottl. Wilh. Bischoff
Entstehung
Seite
16
JPEG-Download
 

16

Botanik.

der eigentliche Wurzel noch Stamm an ihm unterscheiden läßt, so wird er imAllgemeinen Lager, tknllus, genannt bei Pilzen, Algen und Flechten.

Das Blatt, tolium, das vielgestaltige Organ, welches, in bestimmtenZahlen- und Richtungsverhältnissen geordnet, im Umfange aus dem Stammeund seinen Aesten entspringt und sich von diesen, so wie von der Wurzel in allenFällen dadurch unterscheidet, daß es selbst sich nicht zu einem dieser Theile unmittel-bar ausbildet. An dem Blatte unterscheidet man: die Blattscheibe oderSpreite, lomiim oder limbus lolii, den vordem, meist mehr ausgebreitetenTheil, und den Blattstiel, Miolem, den Hintern, zusammengezogenen Theil.Wo der letztere fehlt, bildet die Scheibe das ganze Blatt und wird dannauch als solches bezeichnet, so wie man auch sonst häufig in den Beschreibun-gen unter Blatt überhaupt die Blattscheibe versteht. In die Mattscheibetreten bei Gefäßpflanzen aus dem Stamme oder Aste Gefäßbündel ein undbilden die sogenannten Nerven, norvi, des^Blattes, die in ihren feineren Ver-zweigungen auch Adern, voims, genannt werden, und von welchen der dieMitte durchziehende häufig stärker ist, bei gestielten Blättern gleichsam eineFortsetzung des Blattstiels bildet und Mittelnerv oder Mittelrippe, ner-vus intorinsäius , oosta intörineäia , heißt. Die Zellenmasse, welche die Zwi-schenräume zwischen den Nerven und Adern ausfüllt, heißt Parenchym desBlattes, pnrsnok^wa, oder Blattmark, äinedxwg.. Der Blattstiel ist oft anseinem Hintern Theile oder in seiner ganzen Länge dünn, breit, und in eineRöhre zusammengerollt und bildet dann eine Blatt scheide, va^inn, wie beiden Gräsern; zuweilen ist das ganze Blatt auf eine solche Scheide, wie bei vie-len Binsen, manchmal auch auf eine bloße Schuppe, squoma, redncirt, wiean den Spargeltrieben und häufig an den Wurzelstöcken. Nebenblatt,stipuls, heißt ein zu beiden Seiten am Grunde des Blattstieles entspringendes,daher in der Zweizahl vorhandenes, blattartiges Organ, welches stets von derBlattscheibe gesondert ist und meist einen von dem Haupt - oder Mittelblatteverschiedenen Bau besitzt, z. B. bei der Erbse, Wicke und dem Hopsen. DasBlatthäutchen, li^ula, ist ein dem Nebenblatte verwandtes, häutiges Ge-bilde, welches aus der Grenze zwischen Scheide und Scheibe des Blattes beiGräsern und verwandten Pflanzen sich findet. Von dem Nebenblatte ist derOhrlappen oder das Oehrchen, aurioula, zu unterscheiden, ein Anhängselzu beiden Seiten am Grunde des Blattstieles oder auch der Mattscheibe, welchesim Baue dieser gleich und durch eine breitere oder schmälere Portion von Blatt-substanz mit ihr verbunden ist. Ein Blatt heißt einfach, Simplex, wenn esaus einer nicht allein durch den Mittelnerv, sondern auch vermittelst des Blatt-markes in Zusammenhang gehaltener Scheide besteht, wie bei den Weiden, derTulpe und Eiche; zusammengesetzt, oompositum, aber, wenn es ausmehreren gesonderten Blattscheiben besteht, welche nur vermittelst des Blattstielesoder des Mittelnervs zu einem Ganzen verbunden werden, wie bei der Roßkastanie,dem Wallnußbaume und der Kartoffelpflanze; im letzten Falle nennt man denverbindenden Mittelnerv, der hier als eine unmittelbare Fortsetzung des Blatt-stieles erscheint, die Spindel, raebis, in allen Fällen aber werden die geson-derten Mattscheiben als die Blättchen, loliola, des Blattes bezeichnet. Eingewöhnliches Blatt, welches unmittelbar am Grunde eines Blüthenstieles odereiner sitzenden Blüthe steht, heißt blüthenständiges Blatt, tblium lloiolo;wenn aber ein den Blüthenstiel oder die Blüthe stützendes oder aus dem Blü-thenstiele selbst entspringendes Blatt in Größe, Gestalt, Konsistenz und dabeihäufig auch in seiner Farbe von den anderen Blättern des Stammes und der Aesteabweicht, so erhält es den Namen Deckblatt, dractea. Deckblätter, welche