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Systcmkunde.
L Systemkunde (Systematologie oder Taxonomie).
Die Versuche zu einer systematischen Anordnung der Pflanzen, welche von Ce-salpini bis aus Riv inns oder von 1583 an bis 1690 bekannt gemacht wurden,konnten nur sehr ungenügend ausfallen, weil ihnen das erste Erfordernis die Feststel-lung des richtigen Begriffes von Art und Gattung, mangelte. Ueber die letzteren hattezwar schon Joach. Jung (in seinen im Jahre 1662 zuerst im Drucke erschienenen »Daxlniitis Doxosoopiae pb^sions^) eine richtigere Ansicht aufgestellt; aber Tourne-fo r t gebührt der Ruhm, jenen Begriff wirklich ausgebildet und (durch seine ^Plöwenscke Loimnigue, 1694) in die Wissenschaft eingeführt zu haben. Ueber die höherenAbtheilungen des Pflanzenreiches war Derselbe jedoch weniger im Klaren, daher auchsein System, dessen 22 Classen hauptsächlich auf die Bildung der Blüthendeckegegründet waren, wobei noch, wie schon bemerkt, die Eintheilung der Pflanzen inholzige und krautige beibehalten war, noch zu Vieles zu wünschen übrig ließ, umin allgemeinen Gebrauch zu kommen. Linnä bezeichnete mit der ihm eigenenSchärfe nicht nur den Tournefort'schen Begriff der Art und Gattung genauer,sondern stellte auch für die höheren Abtheilungen (Classen und Ordnungen) richtigereBegriffe fest, und die Feststellung dieser Begriffe ist die erste Bedingung für jedeBildung eines Pflanzen-Systems, welches, mit Linus zu reden, „der ariadnischeFaden der Botanik ist, ohne welchen die Pflanzenkunde als ein Chaos erscheint".
Eine Art, speeies, begreift solche Einzelpflanzen, deren übereinstimmendeBildung für ihre Abstammung von einem einzigen oder von mehreren einandergleichen Individuen spricht, und welche das Gepräge ihres gleichen Ursprungesauch bei ihrer Fortpflanzung in gewissen unabänderlichen Merkmalen beibehalten.„Arten zählen wir so viele, als verschiedene Formen im Anfange geschaffen wurden",sagt Linus (Ubilos. bot. p. 99). Wenn unter den zu einer Art gehörigen PflanzenAbweichungen in der Bildung eines oder mehrerer Theile vorkommen, so bilden sieeine Ab art oder Spielart, vnrietas. —- Eine Gattung, §6uus, ist ein Vereinvon Arten, welche im Baue ihrer Blüthe und Frucht die nächste Uebereinstimmungzeigen; kann aber auch aus einer einzigen Art gebildet werden, wenn diese mitkeiner andern in der: genannten Theilen übereinstimmt und nun für sich im Gegen-satze zu anderen Gattungen gedacht werden soll. Die Gattung der Rosen (kosn)oder der Nesseln (vrtiea) besteht aus vielen Arten, die Gattung des Hanfes(Oarmudis) oder des Hopfens (Urmmlus) nur aus einer einzigen Art. — Ein Vereinvon Gattungen, welche im Blüthen- und Fruchtbane und dabei oft zugleich noch inihrer Tracht eine gewisse Aehnlichkeit und natürliche Verwandtschaft mit einander zei-gen, bildet eine Familie, tamilia. Auch die Familie kann aus einer einzigen Gattungbestehen, wenn diese mit keiner andern Gattung eine nähere Verwandtschaft zeigt unddoch den übriger?Familien gegenüber gedacht werden soll. Familien, welche viele na-türlich verwandte Gattungen enthalten, sind z. B. die Gräser (CrninEao), PalmensUalmno) und Doldenpflanzen (UiubeUIteraL); Familien, aus einer einzelnen Gattungbestehend, sind die Granateen, Globularieen und Equisetaceen. — Die Familie wirdauch häufig als watürlich e Ordnung, oräo nuiurulis, bezeichnet, ein Ausdruck,der in diesem Sinne weniger zu billigen ist, da er besser für einen Verein von zunächstmit einander verwandten Familien sich eignet und in diesem Sinne auch von Manchengebraucht wird. Von der natürli ch en muß aber jedenfalls die kü ustlich e Ord-nung, oräo artiüoiulis, unterschieden werden, als ein Verein von Gattungen, dienicht sowohl nach ihrer natürlichen Verwandtschaft als vielmehr nach einem willkürlichgewählten Merkmale zusammengestellt sind. — Die höheren Abtheilungen, unter welchesich die natürlichen oder künstlichen Ordnungen gruppiren lassen, werden gewöhnlichClassen, elasses, genannt, erhalten aber auch noch verschiedene andere Namen.