26
Botanik.
Auf dem verschiedenen Princip, nach welchem die höheren Abtheilungengebildet sind, beruht der Unterschied zwischen künstlichen und natürlichen Systemen.Künstliches System nennt man ein solches, dessen höhere Abtheilungen nachwillkürlich gewählten Merkmalen eines oder weniger Pflanzentheile und zwarnur zu dem Zwecke gebildet sind, um unmittelbar die Gattungen unter die-selben einzureihen, ohne Rücksicht auf ihre natürliche Verwandtschaft zu nehmen.Bei dem sogenannten natürlichen Systeme sollen die höheren Abtheilungenso gebildet sein, daß sich die Pflanz enfamilien in einer möglichst natürlichenFolge einreihen lassen. Von diesen beiderlei Systemen gibt es eine bedeutendeMenge; bei genauerer Vergleichung derselben finden wir aber keines, welches inseiner Durchführung ganz künstlich oder völlig natürlich wäre; in den künstlichenstoßen wir immer auch auf wenigstens theilweise natürliche Gruppen, und inden natürlichen Systemen sind die oberen Abtheilungen mehr oder weniger künst-lich gebildet. Von den natürlichen Systemen ist noch die Aneinanderreihung derFamilien, ohne leitendes Princip und ohne Unterordnung unter höhere Abthei-lungen, nach dem bloßen Gefühle ihrer relativen Verwandtschaft und ihrer stufen-weise höhern Ausbildung zu unterscheiden, und solche Verwandtschafts-reihen der Familien wurden zuerst versucht, bevor man sich an die Aufstellungeigentlicher natürlicher Systeme wagte. Noch früher versuchte man sich jedochan den künstlichen Systemen, von welchen aber nur eines, ausgezeichnet durchdie Einfachheit seines Eintheilungsgrundes, bei einer leichten Anwendbarkeit, sichbis auf die jetzige Zeit im Gebrauche erhalten hat, und dieses ist das im Jahre1735 zuerst bekannt gemachte Geschlechts- oder Sexual-System Linno's,so genannt, weil der Eintheilungsgrund für die höheren Abtheilungen (Classenund Ordnungen) von verschiedenen Verhältnissen der Befruchtungs oder Geschlechts-Organe hergenommen ist.
Linns trennte nämlich die Pflanzen nach der verschiedenen (bereits ange-gebenen) Beschaffenheit der Befruchtungsorgane in Phanerogamen undKryptogamen, theilte die ersteren in solche mit Zwitterblüthen oder mono-klinische und mit eingeschlechtigen Blüthen oder d tklinisch e, und bildete ausden monoklinischen, nach Zahl, Stand, Größenverhältniß-und Verwachsung derStaubgefäffe 20 Classen, aus den diklinischen, je nach der Vertheilung der ein-geschlechtigen Blüthen 3 Classen, aus den Kryptogamen dagegen nur eine Classe,so daß er im Ganzen 24 Classen erhielt, deren Uebersicht hier folgt:
I. Deutlichblühende Pflanzen, kdaueroAmriÄv.
/V. Mit Zwitterblüthen, Lloiwoliima.u. Mit getrennten Staubgefäßen.
«. Staubgefäße gleichlang oder ohne ein bestimmtes Längenverhältniß.Ein Staubgefäß in jeder Blüthe.
Zwei Staubgef.
Drei Staubgef.
Vier Staubgef.
Fünf Staubgef.Sechs Staubgef.Sieben Staubgef. 7.Acht Staubgef. 8.
1.Classe. Llonanäriu.
2 .
3.
4.
5.
6 .
9.Classe, blimouliäria.Ooeaiulris..Osäsoauckria.
Neun Staubgef.
viauäila. Zehn Staubgef. 10.
IriLmärla. 12(bis 18) Stbgf. 11.
lllotranäria. 20 U. mehr Stbgf.
UeMauäriu. auf d. Kelchsaum 12. „ looÄLnäria.
Hoxaiiäris.. 20 u. mehr Stbgf.
HöMnäria. auf dem Blüthen-
Ootairäriu. boden 13. „ I'ol/Lmlriu.
st. Staubgefäße ungleichlang, so daß immer zwei kürzer sind; dann sindZwei Staubgefäße länger. 14. Classe. DräMLinm.
Vier Staubgefäße langer. 15. „ retruck^llLmia.
d. Mit verwachsenen Staubgefäßen